Kult-Regisseur von Trier : Ende des Schaffens?

Der dänische Filmregisseur Lars von Trier (51) hat seine künstlerische Arbeit wegen einer schweren Depression bis auf weiteres eingestellt. Den geplante Horrorfilm "Antichrist" habe er für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt.

Kopenhagen - Wie der Gewinner der Goldenen Palme beim Filmfestival in Cannes ("Dancer In The Dark", 2000) in einem am Wochenende veröffentlichten Interview der Kopenhagener Zeitung "Politiken" sagte, sei er "als Folge des Absturzes völlig blank". Von Trier gab an, dass er den geplanten Horrorfilm "Antichrist" als letzten Teil seiner USA-Trilogie deshalb für unbestimmte Zeit und möglicherweise für immer auf Eis gelegt habe.

"Man kann nicht einen Film machen und gleichzeitig deprimiert sein", meinte der Däne. Er bezeichnete "Dogville" (2003), den ersten Teil seiner US-Trilogie mit Hollywood-Star Nicole Kidman in der Hauptrolle, als seinen insgesamt bisher besten und wichtigsten Film. Weder der 2005 ins Kino gekommene zweite Teil "Manderlay" mit der relativ unbekannten Bryce Dallas als Ersatz für Nicole Kidman noch von Triers letztes Jahr gedrehte Dänen-Komödie "The Boss Of It All" wurden Erfolge bei Publikum oder Kritikern.

Schon immer Angstanfälle

Von Trier sagte über seine psychischen Probleme, er habe schon immer "zahllose Angstanfälle" gehabt, aber noch nie so eine tiefe Depression wie Anfang dieses Jahres. Mit dem ihm eigenen Sarkasmus meinte er über seine kurzfristige Einlieferung in die Psychiatrie des Kopenhagener Reichskrankenhauses: "Ich bin sehr stolz darauf, dass das jetzt in meinem Lebenslauf steht." Während er sonst "mindestens drei Filmprojekte zugleich" bearbeitet habe, müsse er nun einfach darauf warten, dass "ein Film wieder zu mir kommt und verlangt, dass man ihn macht".

Von Trier gilt seit seinem ersten Spielfilm "Element Of Crime" 1984 als einer der wichtigsten europäischen Regisseure. 2004 gab er den Auftrag zur Inszenierung des kompletten "Ring der Nibelungen" von Richard Wagner für die Festspiele in Bayreuth mit der Begründung zurück, er habe seine Kräfte überschätzt. (tso/dpa)

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