KULTOPERETTE„Die Fledermaus“ : Frivol und vollgemöbelt

Uwe Friedrich

Das gesellschaftliche Parkett ist rutschig. Alle wollen unbedingt nach oben und landen schließlich mit einem grauenhaften Kater im Gefängnis. Dazu lügen sie einander die Hucke voll und kriegen gar nicht mit, dass sie längst durchschaut sind. Das Stubenmädchen ist ebenso frivol wie die untreue Bürgergattin, und vor dem lüsternen Ehemann ist sowieso niemand sicher. Die Geschichte von dem schadenfrohen Säugetier versteht dabei zwar kaum ein Zuschauer, doch die „Fledermaus“ ist trotzdem ungebrochenen beliebt – schließlich hat Strauß seine Kritik an der bürgerlichen Verlogenheit mit den schönsten Operettenmelodien gefällig verpackt.

Vor 60 Jahren eröffnete Walter Felsenstein mit dieser Kultoperette glanzvoll seine Komische Oper. So schauen dem heutigen Intendanten Andreas Homoki bei der Arbeit gleich zwei Vorgänger über die Schulter: Der legendäre Gründer Felsenstein und sein direkter Vorgänger Harry Kupfer, dessen Inszenierung bis zur vergangenen Spielzeit im Repertoire war. Homoki fragt sich und uns, ob wirklich glücklich wird, wer „vergisst, was nicht zu ändern ist“. Er entdeckt eine tiefe Melancholie im Stück, das auf die Bühne kam, als die reiche Wiener Gesellschaft den ersten Gründerkrach gerade hinter sich hatte. Damals hatte sich das Wirtschaftswunder als Spekulationsblase erwiesen, Depression machte sich breit, die mit Amüsement vertrieben wurde. In der Komischen Oper spielt die Komödie auf dem steilen und vollgemöbelten Parkett des Ausstatters Wolfgang Gussmann. Und Generalmusikdirektor Markus Poschner sorgt dafür, dass musikalisch nichts durcheinander wirbelt. Uwe Friedrich

Komische Oper, So 23.9. (Premiere), Di 25.9.,

19 Uhr, ab 12 €

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