Kultur in Schwerin : Faszinierend schimmerts aus der Tiefe

Ob alte Meister aus Holland oder k.u.k. Operetten-Klassiker, ob höfisches Leben im Märchenschloss oder bäuerlicher Alltag: Schwerin lockt im Sommer mit hochkarätigen Kulturangeboten.

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Prachtkulisse. Bei den Festspiel-Aufführungen des Schweriner Theaters blickt das Publikum auch auf das großherzogliche Schloss. Foto: Silke Winkler
Prachtkulisse. Bei den Festspiel-Aufführungen des Schweriner Theaters blickt das Publikum auch auf das großherzogliche Schloss.Foto: Silke Winkler

Achtung! Wir haben auch im Sommer geöffnet! Am liebsten würde Dirk Blübaum, der Direktor des Staatlichen Museums Schwerin, eine riesige Hinweistafel vor seinem Haus aufbauen. Denn jedes Jahr in den warmen Monaten verschwindet der klassizistische Tempel, in dem die Kunstsammlung der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern untergebracht ist, hinter den Aufbauten der Schweriner Schlossfestspiele. Das Open-Air-Spektakel des örtlichen Theaters ist ein echter Touristenmagnet – nur das Museum hat nichts davon.

Denn während der Spielzeit verdecken die Container mit den Künstlergarderoben die Sicht auf den Eingang unter der prachtvollen Freitreppe. Rund um den so genannten Alten Garten findet der Besucher in Schwerin ein einmaliges architektonisches Ensemble, bestehend aus dem märchenhaft verschnörkelten Schloss, dem Staatstheater und dem klassizistischen Museum. 1882 ließ sich Großherzog Friedrich Franz II. von Hermann Willebrand ein Ausstellungshaus bauen, das mit einer Flucht von Oberlicht-Sälen seiner privaten Kunstsammlung ideale Präsentationsmöglichkeiten bot.

Wilhelm van Aelst, Nautiluspokal, 1661. Foto: Elke WalfordStaatliches Museum Schwerin
Wilhelm van Aelst, Nautiluspokal, 1661.Foto: Elke WalfordStaatliches Museum Schwerin

Die im 17. Jahrhundert begonnene Kollektion hat sich bis heute erhalten – und so staunt selbst der Gast aus der Hauptstadt nicht schlecht, wenn er die Fülle niederländischer Malerei erblickt, die hier präsentiert wird. Da sind herrliche Stillleben, dramatische Seestücke und feine Porträts. Namen wie Frans Hals oder Carel Fabricius lassen die Kenner ehrfurchtsvoll nicken. Den Laien beeindruckt besonders die weltgrößte Sammlung des französischen Tiermalers Jean-Baptiste Oudry: Ein eigener Saal ist für die exotischen Tiere vom Nashorn bis zum Leoparden reserviert, die der Franzose Mitte des 18. Jahrhunderts naturgetreu festgehalten hat.

Ergänzend zu den Alten Meistern gibt es Wechselausstellungen: Ab 14. Juni beispielsweise geht es unter dem Titel „Schimmern aus der Tiefe“ um die Faszination von Muscheln, Schnecken und Perlen. Wie es unter Fürsten im 18. Jahrhundert Mode war, legte sich auch der mecklenburgische Herrscher eine Wunderkammer an, in der er die verrücktesten und exotischsten Gegenstände versammelte, darunter eine 85 Zentimeter große Muschel. Aber auch als kunstvoll gefasste Gefäße, auf Gemälden oder in Folianten mit wissenschaftlichen Abhandlungen wird man in der Ausstellung auf die faszinierenden Naturformen treffen.

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