Kultur : Kultur-Tipps: Bruno Preisendörfer über Preußen und P.R.s drei P

Aus der Serie "Babel & Co."

Warum ist der 18. Januar ein bedeutendes Datum? Weil an diesem Tag vor 300 Jahren der unbedeutende Kurfürst von Brandenburg in Königsberg mit seiner Selbstkrönung einen "Theatercoup" hingelegt hat, wie es sein Enkel Friedrich der Zweite, der sogenannte "Alte Fritz" später verächtlich nannte? Aber nein. Das Datum ist wichtig, weil an diesem Tag vor 100 Jahren Ernst von Wolzogen in Berlin das "Überbrettl" eröffnete. Daran erinnert am Donnerstag ab 19 Uhr die Lange Nacht des Kabaretts in der Akademie der Künste. Die Liste der Mitwirkenden ist so lang, dass ich hier nur ihren Anfang mit Matthias Beltz und ihr Ende mit Jockel Tschiersch wiedergeben kann.

Was aber "Preußen" angeht, so kann man an diesem Rummel auch seinen Spaß haben, zumal er ausgesprochen kabarettistische Züge hat. Ein wahrer Faschingszug an Metaphern kaspert durch die Medien. Da ist etwa von der "Geburtsstunde" des Preußischen Staates die Rede, als ob Staaten entbunden werden wie Babys. Oder man spricht davon, dass Preußen "als aufstrebende Staatsmacht auf die Bühne Europas getreten sei", als ob Preußen eine Kabarettfigur des Ernst von Wolzogen und Europa das "Überbrettl" gewesen wäre.

Überhaupt zeichnet sich der Geschichtskitsch durch die historische Ahnungslosigkeit seiner Verbreiter aus. Selbst in guten Zeitungen liest man immer wieder die Schülerdummheit, Kurfürst Friedrich habe sich zum König von Preußen gekrönt. Nein, hat er nicht. Der Titel lautete "König in Preußen", und das ist schon deshalb wichtig, weil die Gebiete, die damals als "Preußen" bezeichnet wurden, größer waren als das, was der kleine Friedrich dort sein eigen nannte.

Um "Die Macht vergangener Zeiten", wenn auch auf andere Weise, geht es auch dem italienischen Romancier Sandro Veronesi. Zur Saisoneröffnung des Italienischen Kulturinstituts am Askanischen Platz liest Veronesi am Donnerstag um 19 Uhr aus seinem Roman, der in Italien wichtige Preise bekommen hat und nun auch in Deutsch erscheint. Es geht um Kalten Krieg und heißen Verrat und darum, wie politische Geschichte persönliche Lebensläufe kreuzt.

Manchmal purzeln einem ganz schön die Tage durcheinander. Das letzte Mal habe ich an dieser Stelle beim Hinweis auf eine Lesung des Literarischen Colloquiums den Freitag mit dem Donnerstag verwechselt, und dieses Mal verwechselt das Literarische Colloquium am Wannsee den Freitag mit dem Samstag. Die im offiziellen Programm für Freitag angekündigte Verleihung des Preises "Kritik 2000" an Albert von Schirnding findet also erst am Samstag statt. Schirnding wird mit 20 000 Mark ausgezeichnet und kann außerdem einen mit 10 000 Mark dotierten Förderpreis vergeben. Wer diesen Preis bekommt, ist bei der Verleihung am Samstag um 20 Uhr im LCB zu erfahren.

Jetzt möchte ich Sie noch mit "Maximen und Reflexionen" von Rühmkorf bekannt machen: "Alles dreht sich um drei P/ Pimmel Punz und Portemonnaie." "Dein ärgster Feind das merk dir wohl/ Das ist der böse Alkohol/ Doch in der Bibel steht geschrieben/ Du sollst auch deine Feinde lieben". Noch eins? "Von der Wiege bis zur Bahre/ Sind die besten Lebensjahre". Am Sonntag um 20 Uhr wird in der Akademie der Künste eine Ausstellung eröffnet: "Peter Rühmkorf, wenn - aber dann". P.R. macht PR mit "Von mir zu euch für uns". Mit dabei Friedrich Dieckmann und Klaus Wagenbach.

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