Kultur : Kulturausschuss: Ja zur Philharmoniker-Stiftung

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Einen Moment lang ließ sich Christoph Stölzl den Gedanken einer Ausweitung seines Amtes gefallen: Eine regelmäßige Qualitätskontrolle bei den Girls des Friedrichstadtpalastes vornehmen zu müssen, hielt der Kultursenator durchaus für verlockend. Dennoch sei eine Direktbeteiligung der Kulturbehörde in den Vorständen der vom Land subventionierten Kulturbetriebe der falsche Weg. Beim Girl-Tempel ebenso wie bei den Berliner Philharmonikern, um deren Umwandlung in eine Stiftung es gestern im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses ging. Denn kurz bevor über das entsprechende Gesetz entschieden werden soll, argwöhnten die Fraktionen von PDS und Bündnis 90 / Die Grünen noch einmal Schlimmes: Der Entwurf führe die Parlamentarier als Abnicker vor, wetterte Alice Ströver von den Grünen. Es handele sich also um ein Gesetz von Philharmonikern für Philharmoniker.

Hintergrund des Streits ist aber weniger das Orchester selbst, sondern das Gebäude der Philharmonie, über das die Stiftung regieren wird. Alle Beschwichtigungsversuche von Stölzl und dem designierten Philharmoniker-Intendanten Xaver Ohnesorg konnten die Zweifel der Opposition nicht entkräften: Bei der Terminvergabe für Berlins begehrtesten Konzertsaal würden die anderen Orchester und Chöre benachteiligt, wenn nicht Kulturpolitiker mit in den Stiftungsgremien säßen, so Ströver. Ein Einwand, der die Koalition zum Entgegenkommen bewegte: Dem Stiftungsrat, der die Arbeit des Vorstandes kontrolliert, sollen auch Parlamentarier angehören, beschloss der Kulturausschuss. Und leitete die Gesetzesvorlage an den Hauptausschuss weiter. Ohnesorg betonte indessen erneut, dass Simon Rattle als künftiger Philharmoniker-Chef seinen Vertrag erst dann unterschreiben werde, wenn das Gesetz beschlossen und die Finanzen des Orchesters gesichert seien.

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