Kulturförderung : Begegnungen auf Augenhöhe

Warum fördert der Autohersteller BMW kulturelle Aktivitäten?

Pauline Pieper
Platzkonzert. 42 000 Besucher erlebten am 1.Juni 2014 bei bestem Wetter das "Staatsoper für alle"-Event auf dem Bebelplatz.
Platzkonzert. 42 000 Besucher erlebten am 1.Juni 2014 bei bestem Wetter das "Staatsoper für alle"-Event auf dem Bebelplatz.Foto: BMW Group

Ein jeder freut sich über ein reiches kulturelles Angebot. Ob Ausstellung, Oper oder Konzert, Kultur inspiriert die Menschen weltweit und ist unersetzlich. Die Frage ist nur, wer den Spaß finanziert. Neben staatlicher Förderung spielen wirtschaftliche Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. Thomas Girst ist Leiter der Kulturkommunikation bei der BMW Group. Seit 40 Jahren betreibt der Automobilhersteller weltweit Kunst- und Kulturförderung und wird darum mit 3000 Förderanfragen pro Jahr überschüttet. Wie trifft man da eine Wahl? Thomas Girst macht deutlich, dass eine Strategie das Wichtigste ist: Zuerst muss das Unternehmen sich darüber im Klaren sein, was es fördern will.

Grundsätzlich werden bei BMW keine Einzelkünstler oder Einzelprojekte wie Ausstellungen unterstützt, sondern nur Formate. So zum Beispiel das „Oper für alle“-Event in München. Seit 1997 begeistert die kostenlose Aufführung unter freiem Himmel jährlich 20 000 Besucher. Seit 2007 gibt es das Format als „Staatsoper für alle“ auch in Berlin, in London als „BMW LSO Open Air Classics“ seit 2012. In beiden Fällen ging BMW auf die Staatsoper beziehungsweise das London Symphony Orchestra zu.

Für Thomas Girst geht es bei diesen Konzerten um zwei Dinge. Einerseits soll „die Hemmschwelle vor der Hochkultur genommen werden“. Andererseits will BMW „als erfolgreiches Unternehmen etwas an die Gesellschaft zurückgeben“.

Was aber ist der Nutzen für BMW? In Deutschland wird Sponsoring oft kritisch gesehen, weil viele eine Einschränkung der Freiheit der Kunst befürchten. In angloamerikanischen Ländern sei dies ganz anders, man sei sogar „stolz auf solche Art von Partnerschaften“, sagt Girst. Es wird klar, dass es bei Kulturförderung um Wechselseitigkeit geht. Die Partnerschaft mit renommierten Kulturinstitutionen führt zu einem positiven Imagetransfer für BMW. Girst glaubt aber, dass dieser auch andersherum funktioniert. Eine Förderung von BMW kann dazu führen, dass sich andere Unternehmen anschließen, wie jüngst bei der Kochi-Muziris-Biennale in Indien. Der Förderer darf dem Geförderten dabei nicht die Show stehlen: „Bei kulturellem Engagement sollte sich niemals etwas zwischen den Betrachter und das Bild stellen. Natürlich wollen wir wahrgenommen werden, aber hier greift einer unserer Leitsätze: Die Subtilität des Auftritts zeugt von der Souveränität des fördernden Unternehmens."

Über konkrete Fördersummen schweigen sich Sponsoren gerne aus. Auch Girst bleibt da zurückhaltend. Er betont, die Inhalte seien entscheidend, nicht die Summe. Er verrät dann aber doch, dass es sich um einen Wert im unteren zweistelligen Millionenbereich handelt. Genug, um viele weitere innovative Kulturprojekte ins Leben zu rufen.

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