Kulturgüter-Streit : Badische Handschriften werden ausgestellt

Der Kulturgüter-Streit in Baden-Württemberg veranlasst die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe zu einer Sonderausstellung. Es werden zahlreiche mittelalterliche Bücher gezeigt, die ursprünglich verkauft werden sollten.

Karlsruhe - Vom 28. Oktober bis 25. November stellt die Kultureinrichtung eine Auswahl der mittelalterlichen Handschriften aus, die Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) ursprünglich zum Teil verkaufen wollte. Die Ausstellung mit dem Untertitel "Europäisches Kulturerbe" soll es der Öffentlichkeit ermöglichen, sich ein eigenes Bild von der Sammlung zu machen.

Nach Bibliotheksangaben sind die Werke normalerweise aus konservatorischen Gründen nur für die wissenschaftliche Forschung zugänglich oder werden höchstens einzeln bei Ausstellungen präsentiert. Die Sonderausstellung zeigt nun zahlreiche Sammlungsstücke unter einem Dach, darunter das Evangelistar aus Speyer, das Festevangelistar aus St. Peter, das Wonnentaler Graduale und das Klarenbuch aus Straßburg. Es handelt sich vor allem um kirchliche Handschriften, die äußerst reichhaltig illustriert sind. Ein Evangelistar zum Beispiel ist ein liturgisches Buch, in dem die Evangelien in der Reihenfolge geordnet sind, in der sie bei der Messe vorgelesen werden.

Die Handschriften stammen aus dem Bestand der früheren Großherzoglichen Hof- und Landesbibliothek. Oettinger hatte im Zuge eines Vergleichs mit dem Markgrafenhaus Baden über strittige Eigentumsverhältnisse ursprünglich geplant, Teile der Sammlung zu veräußern. Insgesamt sollten Handschriften im Wert von 70 Millionen Euro verkauft werden, was in der Fachwelt international Empörung ausgelöst hatte. Inzwischen ist Oettinger von dem Plan abgerückt und verfolgt ein alternatives Finanzierungsmodell. (tso/ddp)

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