• Kulturhauptstädte 2015: Das belgische Mons und das tschechische Pilsen werden Kulturhauptstädte 2015

Kulturhauptstädte 2015 : Das belgische Mons und das tschechische Pilsen werden Kulturhauptstädte 2015

Europäisches Kulturhauptstadtjahr 2015: Das belgische Mons setzt auf van Gogh, das tschechische Pilsen auf sein Image als Stadt des Biers.

So sah es aus, und ist inzwischen zusammengestürzt: Arne Quinzes Freiluftinstallation im belgischen Mons, als Vorspiel zum Kulturhauptstadtjahr 2015.
So sah es aus, und ist inzwischen zusammengestürzt: Arne Quinzes Freiluftinstallation im belgischen Mons, als Vorspiel zum...Foto: dpa

Menschliche Leuchtkugeln, Mitternachtssonnen, phosphoreszierende Drachen, fliegende Zirkuskünstler: Mons wirbt für
seinen Start ins Kulturhauptstadtjahr 2015 mit Spektakulärem. Damit will die Stadt in der Wallonie am
24. Januar bis zu 100 000 Besucher anlocken. Auch im tschechischen Pilsen wird es bei der Eröffnungszeremonie zum Kulturhauptstadtjahr am 17. Januar artistisch zugehen: Der Schweizer Seiltänzer David Dimitri wird auf einem Hochseil
über den zentralen Platz der Republik laufen. Dazu gibt es ein Videoprojekt - der Rest, so Programmchef Petr Forman, soll eine Überraschung sein“.

Die beiden Städte sind finanziell unterschiedlich gut ausgestattet für ihr Kulturjahr, Mons mit 68 Millionen Euro, Pilsen mit nur 20 Millionen. Auf die Beine gestellt wird hier wie dort jedoch viel. Für Mons verspricht Yves Vasseur, der Intendant des Kulturhauptstadtprogramms, rund 300 Veranstaltungen, darunter 20 große
Ausstellungen. Als Highlight gilt die van Gogh-Ausstellung, die am 25. Januar eröffnet wird, ein Werkschau mit rund 70 Gemälden und Zeichnungen. Der niederländische Maler Vincent van Gogh hatte zwischen 1878 und 1880 als Hilfsprediger in dem Bergarbeiterdorf Borinage in der Nähe von Mons gelebt. Im April sollen dann gleich fünf Museen eröffnet werden, darunter die in einer Kapelle untergebrachte Artothèque für regionale Kunst und Kulturgeschichte, das Feuersteinmuseum in Spiennes und das Musée du Doudou, das dem bekannten Drachenkampf zu Ehren der Schutzheiligen Waltrudis gewidmet ist.

Mit gut 90.000 Einwohnern ist Mons eine der kleinsten Kulturhauptstädte überhaupt

Einen Schock erlebte Mons allerdings, als an Heiligabend eine große Kulturhaupstadt-Freiluftinstallation des flämischen Künstlers Arne Quinze mitten in der City in sich zusammenstürzte. Ob das Werk bis zur Eröffnung wieder hergestellt werden kann, ist zur Zeit noch unklar.

Mons zählt gut 90 000 Einwohner und gehört damit zu den kleinsten Städten, die bisher den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt
trugen. Die einstige Tuchmacherstadt weiß diese Ehre zu schätzen. Viele der prächtigen Bürgerhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind fertig renoviert, die Gassen neu gepflastert, der Große Platz herausgeputzt. Die Restaurierung des 87 Meter hohen barocken Belfried, der auf der Welterbeliste der Unesco steht, wird allerdings voraussichtlich erst im Frühjahr abgeschlossen.

Mons liegt in einem ehemaligen Kohlerevier, wie Fördertürme und Abraumhalden in der Umgebung bezeugen; die Stadt selber war allerdings stets Verwaltungszentrum und Universitätsstadt. Mit dem Label Kulturhauptstadt hofft Vasseur, die Region endgültig aus dem Schatten des postindustriellen Image zu holen. Mit den Verschönerungsarbeiten im Zentrum der Stadt ist man gut vorangekommen. Das für über 3 Millionen Euro umgebaute Kunstmuseum BAM konnte bereits im Herbst 2013 mit der Ausstellung „Andy Warhol. Leben, Tod und Schönheit“ auf die zukünftige Kulturhauptstadt aufmerksam machen. In der Werkschau wurden 130 Exponate von Andy
Warhol gezeigt.

Nur der Bahnhof ist ein Problem, eine Riesenbaustelle, Kostenpunkt: 150 Millionen Euro. Er wird frühestens 2016 fertig
werden, ursprünglich war man von einem deutlich früheren Termin ausgegangen. Um so stolzer verweist Vasseur auf das neue Kongresszentrum des Stararchitekten Daniel Libeskind. Der 32 Millionen Euro teure Bau aus Glas- und Metall - unmittelbar hinter dem Bahnhof - wird rechtzeitig fertig sein.

Dass die belgische Kulturhauptstadt finanziell so gut da steht, liegt unter anderem an der Person des Bürgermeisters Elio Di Rupo, Chef der sozialistischen Partei der Wallonie und von 2011 bis 2014 Premierminister des Königreichs Belgien. Seit 2001 lenkt er die Geschicke der Stadt; seitdem fließen die Millionen.

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