Kulturinvest-Kongress : Gemeinsam klingt es einfach besser

Beim "Symphonic Mob" musizieren Laien mit Profis. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin wurde für seine Erfindung bei den Kulturmarken-Awards nominiert.

Johannes Metternich
Musik, massenhaft. Der Symphonic Mob des DSO in der Mall of Berlin.
Musik, massenhaft. Der Symphonic Mob des DSO in der Mall of Berlin.Foto: dpa

Am Ende konnte sich Frank-Walter Steinmeier gar nicht mehr losreißen. Im Protokoll des Außenministers waren im August 2014 ursprünglich nur drei Minuten vorgesehen, um der Musikerschar zu lauschen, die sich im Weltsaal des Auswärtigen Amtes versammelt hatte – doch Steinmeier ließ daraus fast eine halbe Stunde werden. Über 400 Musiker, vom Grundschulkind bis zum Pensionär, vom Laien bis zum Profi, gaben dort mit der Unterstützung von rund 40 Mitgliedern des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO) den Torero-Marsch aus George Bizets „Carmen“ und die „Ode an die Freude“ aus Beethovens Neunter Symphonie zum Besten.

Die heterogene Musikertruppe bildete damit den ersten „Symphonic Mob“ Deutschlands – ein besonderes Konzept der Musikvermittlung, das dem DSO eine Nominierung in der Kategorie „Trendmarke des Jahres“ bei den Kulturmarken-Awards 2015 einbrachte, neben der Konzertreihe „Ignition“ der Tonhalle Düsseldorf und dem Onlineportal „kunstgebiet.ruhr“.

Viele Menschen finden oft keine Zeit mehr, gemeinsam Musik zu machen

Musikbegeisterten Menschen die Gelegenheit zu geben, gemeinsam in einem großen Klangkörper aufzugehen und ihnen die Freude des gemeinsamen Musizierens näher zu bringen – das sind die Ziele des Symphonic Mob. „Viele Menschen finden oft keine Zeit mehr, gemeinsam Musik zu machen, oder alte Fähigkeiten sind über die Jahre eingerostet", sagt Lea Heinrich, Musikvermittlerin beim DSO und Projektmanagerin beim Symphonic Mob. „Wir wollten die Gelegenheit schaffen, über das Gemeinschaftsgefühl eines großen Orchesters den Spaß an der Musik wiederzuentdecken.“

Willkommen sind Instrumente und Stimmen jeglicher Couleur, ganz gleich ob ausgebildet oder ungeübt. Den Teilnehmern werden im Internet die Noten der Stücke sowie Video-Tutorials von Mitgliedern des DSO zur Vorbereitung bereitgestellt. Vor dem Konzert gibt es dann eine gemeinsame Probe, bei der die Musiker des DSO den Laien mitunter kräftig mit Tipps unter die Arme greifen. Denn auch darum geht es bei der Aktion: einen Austausch herzustellen zwischen professionellen und Hobbymusikern.

Hier geht es nicht um den letzten Schliff, sondern um den Spaß

„Gerade in der klassischen Musik werden Leute oft ausgeschlossen: Im Orchester spielen eben nur Profis“, sagt dazu Dirigent Manuel Nawri, der den Symphonic Mob leitete. „Dass man bei so einer Gelegenheit versucht, Grenzen aufzubrechen und andere Leute mit ins Boot zu holen, finde ich sehr wichtig.“

Und davon haben nicht nur die Laien etwas, wie DSO-Flötist Gergely Bodoky feststellt: „Im Orchester überkommt einen leicht diese Professionalität, die die Freude an der Musik in den Hintergrund stellt. Hier allerdings geht es nicht um den letzten Schliff, sondern einfach um den Spaß an der Musik. Das ist ein tolles Erlebnis.“

Begeistert vom Erfolg des Konzerts im Auswärtigen Amt lud das DSO dieses Jahr im September zu einem zweiten Konzert – diesmal auf der Piazza der Mall of Berlin. Fast 500 Musiker spielten die Slawischen Tänze Nr. 1 und 2 von Antonín Dvorák sowie die Ungarischen Tänze Nr. 1 und 5 von Johannes Brahms – und wurden dafür von Hunderten überraschten Besuchern des Shoppingcenters begeistert bejubelt.

Kein Wunder, dass man beim DSO über einen Export des Erfolgsprojekts nach Übersee nachdachte: Im November sollte im Rahmen der Asien-Tournee des Orchesters ein weiterer Symphonic Mob in Tokio stattfinden. Aufgrund von Unstimmgkeiten mit den dortigen Organisatoren wurden dann aber doch nichts daraus. Kein Grund zur Sorge, findet Projektleiterin Heinrich: „Auf jeden Fall planen wir 2016 wieder einen Symphonic Mob in Berlin.“

Wirtschaft und Kultur treffen sich am 29. und 30. Oktober im Tagesspiegelhaus zum Kulturinvest-Kongress. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Website kulturmarken.de.

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