Kulturkrise : Auf lange Frist

Kultur und Krise: Es bleibt die Ruhe vor dem Sturm. Vorerst scheint sich der Kulturbetrieb in Deutschland nicht vor den Auswirkungen einer Rezession fürchten zu müssen. Vorerst.

Anna Pataczek

 „Es gibt zwar eine Finanzkrise, aber keine Kulturkrise“, konstatiert Stephan Frucht, Geschäftsführer des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Die Unternehmen befänden sich derzeit in einer Schockstarre, bestehende Verträge mit Kultureinrichtungen würden aber eingehalten. Das mag zumindest zunächst trösten.

In der Theaterwelt jedoch sind langfristige Kooperationen nicht die Regel. „Häufig werden nur einzelne Produktionen unterstützt“, sagt Rolf Bolwin, Direktor des Deutschen Bühnenvereins. „Mich erreichen erste Nachrichten, dass kleinere Beträge wegbrechen.“ Dass sich Dax-notierte Firmen zurückzögen, hält er jedoch für unwahrscheinlich. „Das wäre ein zu großer Imageverlust“, glaubt Bolwin. Der Anteil privater Förderung ist gemessen an den Subventionen aus öffentlicher Hand vergleichsweise gering. In der Spielzeit 2006/2007 betrug er etwa ein Prozent des Gesamtbudgets deutscher Bühnen, das sich auf 2,5 Milliarden Euro belief. Doch der Einzelfall zähle, gibt Bolwin zu bedenken: „Wenn plötzlich ein Unternehmen seine zugesicherten 10 000 Euro für ein Bühnenbild wieder abzieht, ist die ganze Produktion bedroht.“

Ähnlich verhält sich die Verteilung von Fördergeldern bezogen auf den gesamten Kunstbereich: Bund, Länder und Gemeinden gaben 2007 etwa acht Milliarden Euro für Kultur aus. Unternehmen und Stiftungen legten noch mal 600 Millionen drauf. „Die Grundversorgung muss der Staat leisten“, sagte Frucht. „Deutsche Unternehmen sehen ihr Engagement als Ergänzung.“ Optimistisch zeigt sich Hans-Conrad Walter, Vorstandsmitglied des Fachverbands für Sponsoring und Sonderwerbeformen (FASPO) und Geschäftsführer einer Berliner Kulturmarketing-Agentur. „Wenn sich Unternehmen engagieren wollen, dann tun sie das immer häufiger im Kulturbereich“, sagt er. Für den Begriff Corporate Social Responsibility (CSR), mit dem Fachkreise unternehmerisches Handeln in der Gesellschaft umschreiben, gibt es inzwischen sogar die Verfeinerung für den Kulturförderung: Corporate Cultural Responsibility (CCR). Anna Pataczek

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