Kultur : Kulturküche für das Volk

VANESSA LIETZ

Was früher die Küche des russischen Dissidenten Lew Kopelew war, soll das neue Zentrum des Lew Kopelew Forums in Köln werden: ein Ort und Treffpunkt für alle, die sich mit seinen Ideen verbunden fühlen und in seinem Sinne wirken wollen.Der Intendant des WDR Fritz Pleitgen, zugleich Vorsitzender des Forums, sprach, als er seine Vorstellungen von dem Zentrum in der Neumarkt-Passage erläuterte, von "Lews guter Stube für Kultur und Toleranz".Er hat sie am Dienstag abend vor 450 Gästen eröffnet.

In der russischen Gesellschaft ist die Küche ein gesellschaftlicher Sammelpunkt.So hat sich auch das geistige und kulturelle Leben des Dissidenten oftmals in seiner Küche abgespielt, ob in jener in Moskau oder später in jener Exilküche in Köln, die bis zu seinem Tode im Jahre 1997 gut besucht war.Einige von Kopelews ehemaligen Gästen sind Mitglieder des im Mai 1998 gegründeten Forums geworden.An diesem Abend haben sie ihre Begegnungen mit dem russischen Dissidenten in Erinnerung gerufen.Wolf Biermann trug Lieder vor, die er in Kopelews Küche gesungen hatte.Der russische Dichter Jewgenij Jewtuschenko deklamierte zwei Poeme über Kopelew und wünschte sich für sein Land mehr Menschen, vor denen "man sich geschämt hätte, ein Feigling zu sein".Und Johannes Rau nannte den russischen Juden einen "begnadeten Bettler, wenn es um andere ging".Ehrenvorsitzende des Forums ist die Zeit-Herausgeberin Gräfin Marion Dönhoff, die den russischen Germanisten mit Heinrich Bölls Hilfe im Jahre 1980 für ein Studienjahr nach Deutschland geholt hatte - ein Studienjahr, das für Kopelew zum zehnjährigen Exil wurde.

Ganz im Geiste Kopelews will sich das Forum für die deutsch-russische Freundschaft, aber auch für humanitäre Hilfe in Rußland einsetzen.Inzwischen gehören ihm 130 Personen an.Es versteht sich als Ergänzung zum Deutsch-Russischen Forum, das bisher von Bonn aus den kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen den beiden Ländern unterstützt hat und im Sommer nach Berlin umziehen wird.Seminare sind geplant, ebenso Literatur- und Musikveranstaltungen.

Eine Frage, die Kopelew und Böll einmal diskutiert haben, möchte die Kopelew-Gemeinde im Mai erneut aufwerfen: "Warum haben wir aufeinander geschossen?".Während die Wehrmachtsausstellung in Köln gezeigt wird, sollen Militärs aus Rußland und Deutschland im neugegründeten Lew Kopelew Forum debattieren.

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