Kulturpolitik : Die Kunst und das Geld

Zukunft muss sein: Ein Abend für Thomas Langhoff an der Akademie der Künste.

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Thomas Langhoff hat sich diesen Abend gewünscht. Im Wissen, dass er ihn selbst wohl nicht mehr erleben würde. Er habe nur eine Bedingung gestellt, erzählt Klaus Staeck, der wiedergewählte Präsident der Akademie der Künste: bitte keine Trauerfeier. Diesem Anliegen des im Februar verstorbenen Theatermachers entspricht die Akademie. Mit einer vierstündigen Veranstaltung, die „Zukunft muss sein“ heißt und sich an aktuellen kulturpolitischen Querelen entzündet. Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Freilich ist der ostdeutsche Regisseur am Hanseatenweg in Geist und Bild präsent. Aber selbst der Ausschnitt aus seiner Inszenierung „Die Übergangsgesellschaft“ am Gorki Theater von 1990 sorgt für eine Debatte nach dem Hacks-Titel: Die Sorgen und die Macht. Mit anderen Worten: Die Kunst und das Geld. Schon bald wird handfest über das Gezerre um den Neubau für die Hochschule Ernst Busch diskutiert. „Bühnenreif“ findet deren Rektor Wolfgang Engler den Vorgang, dass eine Regierungsfraktion das Projekt befürworte, aber die eigenen SPD-Abgeordneten dagegen „Amok laufen“. Und der Ernst-Busch-Zögling und Schaubühnen-Chef Thomas Ostermeier erzählt, dass eine Protestdelegation der Studenten kürzlich beim finanzpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Torsten Schneider, vorgesprochen habe. Der sei amüsiert gewesen, dass die Studenten so freundlich aufträten und habe versichert, sie würden später bestimmt alle „Tatort“-Kommissare. Ein Mann vom Kaliber eines Langhoff ging anders mit dem Nachwuchs um. Als Intendant des Deutschen Theaters übertrug er den jungen Wilden um Thomas Ostermeier die Leitung der Baracke für ihre gegenwartsgierigen Schauspiele.

So viel Zukunft muss man sich leisten können. Aber das ist in Zeiten des Kulturausverkaufs kein Konsens mehr – falls es je einer war. Vor diesem Hintergrund ist die Hommage an Langhoff ein Fanal, perspektivreich und erhellend: egal, ob Johan Simons, Intendant der Münchner Kammerspiele, den Kulturkahlschlag in Holland beleuchtet. Oder der Schriftsteller Ingo Schulze in seinem Vortrag „Unsere schönen neuen Kleider“ die Zurichtungen zur „marktkonformen Demokratie“ mit dem einschlägigen Märchen von Hans-Christian Anderson kurzschließt.

Kluge Kulturköpfe wie Akademie-Vizepräsidentin Nele Hertling und Kampnagel-Leiterin Amelie Deuflhard, Ballhaus-Naunynstraßen-Chefin Shermin Langhoff und Regieveteran Hans Neuenfels fordern an diesem Abend nicht Geld ein, sondern ein Bewusstsein für den Wert der Kultur – und die eigene Handlungsmacht. DT-Intendant Ulrich Khuon erinnert an die wirksamen Proteste gegen die Kulturkürzungen in Pankow und mahnt: „Wir müssen konkret sein“. Dem Genauigkeitsfanatiker Langhoff hätte das gefallen. Patrick Wildermann

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