Kulturpolitik in den USA : Künstler boykottieren Donald Trump

Die kulturelle Sphäre ist Donald Trump fremd. Immer mehr Kunstschaffende begehren gegen den US-Präsidenten auf.

Donald Trump auf einer Pressekonferenz.
Donald Trump auf einer Pressekonferenz.Foto: Jonathan Ernst/Reuters

Donald Trump ist kein Kulturfreund. Und die Kulturszene in den Vereinigten Staaten sympathisiert nicht mit Donald Trump. Die fortschreitende Entfremdung zwischen US-Präsident und Kunstschaffenden hat in den vergangenen Tagen einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach Boykottankündigungen mehrerer Preisträger entschied Donald Trump, seine Teilnahme an den diesjährigen Feierlichkeiten des Kennedy-Preises im Dezember abzusagen. Er wolle einen Abend „ohne politische Ablenkungen“ ermöglichen, teilte das Weiße Haus mit.

Mit dem Kennedy-Preis werden seit 1977 in Washington herausragende Beiträge amerikanischer Künstler ausgezeichnet. Traditionell geben der Präsident und die First Lady im Weißen Haus einen Empfang für die Geehrten und nehmen an der Verleihungsgala im Kennedy Center teil. Diesjährige Preisträger sind der Rapper LL Cool J, die Sängerin Gloria Estefan, der Musiker und Produzent Lionel Richie, die Choreografin Carmen de Lavallade und der TV-Produzent Norman Lear. Lear und De Lavallade hatten jedoch mitgeteilt, dass sie dem Empfang aus Protest gegen Trumps Politik fernbleiben würden. Richie hielt seine Teilnahme offen, und Estefan betonte, sie wolle das geplante Treffen mit dem Präsidenten nutzen, um ihre Sichtweise klarzumachen.

Beratergremium zurückgetreten

Bereits am Freitag ist das Berater-Gremium der Künste und Geisteswissenschaften geschlossen zurückgetreten. Dieser Ausschuss war 1982 unter Ronald Reagan gegründet worden und berät die US-Regierung seither bei der Kulturförderung. Die Zusammensetzung des nun aufgelösten Ausschusses erfolgte noch unter Ex-Präsident Barack Obama. Zuletzt waren darin der Schauspieler Kal Penn, die Schriftstellerin und Pulitzer-Preisträgerin Jhumpa Lahiri sowie der Broadway-Regisseur George C. Wolfe tätig.

In einem offenen Brief zeigten sich alle 17 Mitglieder entsetzt über Trumps relativierende Äußerungen nach den rechten Ausschreitungen in der US-Kleinstadt Charlottesville. Dort waren hunderte Rechtsextreme, Neonazis und Ku-Klux-Klan-Anhänger aufmarschiert. Ein 20-Jähriger hatte seinen Wagen in eine Gruppe von Gegendemonstranten gesteuert. Trump hingegen sprach davon, dass die Gewalt „von vielen Seiten“ käme.

Das Kultur-Gremium wolle nun die „hasserfüllte Rhetorik“ des Präsidenten nicht länger mittragen, da man sich sonst zu Komplizen der Worte und Taten Trumps mache. Dessen Unterstützung für „Hassgruppen und Terroristen“, die amerikanische Mitbürger getötet und verletzt haben, zwinge sie zu „Kritik und Tadel in den schärfsten Worten“.

"Keine amerikanischen Werte"

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Ihre Werte sind keine amerikanischen Werte.“ Sollte dies dem Präsidenten nicht klar sein, müsse er zurücktreten. In der Gestaltung des Schriftstücks versteckten sie eine eindeutige Botschaft. Die Anfangsbuchstaben der sechs Absätze bilden das Wort „Resist“, übersetzt: Widerstand. Das Weiße Haus ließ daraufhin mitteilen, dass der Kulturausschuss ohnehin bald hätte aufgelöst werden sollen, da dessen Finanzierung zu Lasten der amerikanischen Steuerzahler gehe.

Schon im Frühjahr hatte Donald Trump angekündigt, Gelder für Kunst, Kultur und Geisteswissenschaften streichen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der staatlichen Fördereinrichtungen für Kultur NEA und NEH soll im September fallen.

Unterdessen läuft am Broadway in New York das Anti-Trump-Stück „The Terms of My Surrender“ von Michael Moore, eine zweistündige Ein-Mann-Satire-Show. Letzte Woche führte der Dokumentarfilmer und Politaktivist die Zuschauer nach der Vorstellung zu einer Protestaktion am Trump Tower. (mit dpa)

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