Kultur : Kulturpolitik: Kleine Kunstgriffe mit großer Wirkung

Moritz Schuller

Wer hätte das gedacht: Dass unter einem sozialdemokratischen Bürgermeister für die Kultur alles gut werden würde. Zumindest wird zurzeit so geredet: Das hässliche Wort vom Sparen ist trotz Bankenkrise und Milliardenverlusten endgültig vom Tisch. Im Kulturetat werde nicht weiter gestrichen, versprach Klaus Wowereit auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Er wolle damit einen Mentalitätswechsel in der Stadt herbeiführen, ein Wechsel, der sich auch mit seiner eigenen Mentalität deckt: "Ich bin kein sparsamer Mensch", sagte Wowereit, "ich will konsumieren, im Privaten wie im Öffentlichen."

Die Lage der Berliner Kultur wird also aufhören, schlechter zu werden. Möglicherweise wird sie, was ihre finanzielle Ausstattung betrifft, sogar besser werden. Die neue Kultursenatorin Adrienne Goehler kündigte an, den Regierenden Bürgermeister "noch toppen" zu wollen. Gerade jetzt, in dieser "unglaublichen Aufbruchsstimmung", müsse die "unheimliche Strahlkraft" der Kultur für diese Stadt neu vermittelt werden. Deshalb werde sie, versprach Goehler, sogar für eine Öffnungsklausel, also für ein Erhöhung des Etats streiten.

Das Ziel dieser neuen Kulturpoltik ist klar: Verlässlichkeit, Effizienz, Qualität. "Ich bin dafür, dass wir Topqualität in den großen Häusern haben", sagte Wowereit. Das dürfe aber nicht auf die Kosten der Kleinen gehen. Nur einmal verfiel Wowereit noch kurz in alte Mentalitäten: bei der Erklärung, wo das Geld herkommen soll. Lobbyarbeit beim Bund und bei den Ländern wolle er leisten, sagte er, und beim Finanzminister und den Ministerpräsidenten der Länder Bewusstein dafür schaffen, "dass Hauptstadt etwas bedeutet". Im Gegensatz zu den Berliner Opern betrachte er etwa Einrichtungen wie die Museumsinsel und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz durchaus als "nationale Aufgaben". Ohnehin sei Berlin derzeit nicht in der Lage, den eigenen Anteil für die Museumsinsel zu leisten.

Adrienne Goehler brachte zusätzlich das Naturkundemuseum als Übernahmekandidat für den Bund ins Spiel - eine Institution, die sie am liebsten schon im Hauptstadtkulturvertrag abgetreten hätte.

Klaus Wowereit betonte aber auch, dass Berlin die eigenen Hausaufgaben erledigen müsse, bevor man weitere Forderungen stellen dürfe. Zu den Hausaufgaben zählte er die Demokratisierung des Lottohaushalts, den verstärkten Wettbewerb unter den einzelnen Kulturinstitutionen und eine Diskussion über die Tarifverträge. Auch hier sekundierte die Senatorin lediglich: Man könne schließlich selbst mit kleinen Kunstgriffen große Effekte erzielen.

Nach Jahren, in denen immer wieder händeringend nach Kultursenatoren gesucht werden musste, hat der Regierende das Ressort schon an seinem ersten Amtstag zur Chefsache erklärt. Ein Wechsel immerhin - für 100 Tage.

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