Kulturpolitik : Kunst und Bau

Debatte um Zukunft des Berliner Festspielhauses. Es geht um die für die eine Seite drohende, für die andere lockende Bebauung des Areals zwischen Schaperstraße, Meierottostraße und der nahen Bundesallee

von

Eben noch hatten die Berliner Festspiele und ihr neuer Intendant Thomas Oberender im Festspielhaus an der Schaperstraße Angelina Jolie und ihren Berlinale-Film über den Jugoslawienkrieg bei sich zu Gast. Am heutigen Dienstagabend, wenn nun die Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf zu einer Diskussion ins Festpielhaus lädt (ab 19 Uhr, Eintritt frei), dann geht es naturgemäß weniger glamourös zu. Doch Thomas Oberender, gerade zwei Monate im neuen Amt, ist dieser Termin kaum minder wichtig. Denn das Hearing mit Berliner Bürgern, Politikern, Kulturvertretern und Investoren womöglich hat auch die Zukunft des Festspielhauses zum Thema.

Es geht um die für die eine Seite drohende, für die andere lockende Bebauung des Areals zwischen Schaperstraße, Meierottostraße und der nahen Bundesallee. Bisher stehen dort angrenzend an Grünanlagen und Spielplätze das 1963 vom Architekten Fritz Bornemann als damalige Freie Volksbühne gebaute heutige Festspielhaus und ein Gründerzeitbau der Universität der Künste, beide denkmalgeschützt, sowie der schöne Altbau einer Kindertagesstätte. Zwischen Festspielhaus und UdK-Gebäude befindet sich zudem ein eher hässliches Betonparkdeck und das daraufgesetzte Zelt der Bar jeder Vernunft.

Bis 1999 war das Theater im Besitz des Vereins der Freien Volksbühne, die es damals, um einen Konkurs abzuwenden, an einen Hamburger Investor verkaufte. Die Verpachtung des Hauses an Musicalbetreiber war schnell gescheitert, aber im Jahr 2000 übernahm der Bund, angeleitet vom ersten Kulturstaatsminister Michael Naumann, die Berliner Festspiele vom klammen Land Berlin. Es war eine gefeierte Rettungstat, doch die Festspiele gelangten in den Bornemann-Bau: nur als Mieter. Weniger geredet wurde darüber, was der Bund seitdem an den Hamburger Privateigentümer des neu getauften „Festspielhauses“ zahlt: jährlich rund eine Million Euro Miete.

Inzwischen wurde das Festspielhaus mit öffentlichen Mitteln auch für mehr als 15 Millionen Euro saniert. Der Mietvertrag läuft noch bis 2020 und kann um bis zu zehn Jahre verlängert werden. Hierbei hoffte der Bund auf einen eigenen Ankauf der Immobilie, im Gegenzug gegen verträgliche Baurechte auf dem Gesamtareal. Da freilich wird es kompliziert: Erst war vom Investor ein Hochhaus geplant, dann nur noch sechsstöckige Townhäuser auf dem bisher baumbestandenen Gelände hinter dem Festspielhaus und seinem dortigen Bühneneingang. Das hätte Auswirkungen auf den oft nächtlich nach den Vorstellungen erfolgenden Transport von Bühnenbildern, es geht – in einem Wohngebiet – um Ausnahmegenehmigungen für LKWs, um Lärmemissionen und vieles mehr.

Und die Lage wird noch vertrackter. Denn der Vermieter der Cashcow Festspielhaus, die Achte (!) Grundstücksgesellschaft Gänsemarkt aus Wentdorf bei Hamburg, hat nach Kenntnis der Festspiele offenbar ganz oder teilweise an ihren Partner, den Baukonzern Hochtief verkauft. Der Bezirk aber, der Grundstücke, die ans Festspielhaus grenzen, aus Geldnot an den Investor veräußert hatte, kippte im letzten Sommer den bisherigen Bebauungsplan. Ohne Bebauung aber wären die Grundstückskäufe sinnlos. So wurde, um Druck zu machen, vom Investor kurzzeitig schon die nicht mitvermietete Zufahrt zum Bühneneingang gesperrt. Davon zeugt noch die demolierte Einfahrtsschranke. Es herrscht also viel Klärungsbedarf an diesem bewahrenswerten Kultur- und Lebensort Berlins. P.v.B.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben