Kultur : Kulturpolitik: Noten zur Gewalt

Claudia Keller

Mit besonnen-strenger Miene fordert Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin auf der Feier zum 20-jährigen Bestehen des Deutschen Kulturrats: "Wir müssen für einen globalen Wertekonsens und eine zivile Weltordnung kämpfen, über die religiösen Bindungen hinweg". Kein Weg führe am "minimalen Konsens der Menschenrechte" vorbei. "Und wer behauptet, das sei eurozentristisch, irrt", sagt Nida-Rümelin und fügt nach einer wohlbemessenen Pause hinzu: "In der islamischen Kultur ist diese Meinung ebenso verankert wie bei uns." Außerdem dürften kulturelle Unterschiede bei der Konsensfindung nicht wie bisher eingeebnet werden. Was die Rolle der Kulturpolitik angeht, warnt Nida-Rümelin vor allzu großen Erwartungen. Kultur können nur "hinzutreten".

Das möchte Rita Süssmuth bei der anschließenden Diskussion über "Kultur und Gewalt" so aber nicht stehen lassen. Ihrer Meinung nach liegt "ein Teil der heutigen Probleme gerade an der Vernachlässigung der Kultur". Statt viel Geld in die innere Sicherheit zu stecken, die sowieso nie hundertprozentig garantiert werden könne, müsste mehr in die Kulturpolitik investiert werden, die das friedliche Miteinander fördere. Michael Vesper vom Kultusministerium in Nordrhein-Westfalen kann da nur zustimmen und sieht vor allem bei der internationalen Kulturpolitik großen Aufholbedarf. Gar von einer "radikalen Neuausrichtung" der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik spricht Christoph Zöpel, Staatsminister im Auswärtigen Amt: weg vom Export deutscher Kultur hin zur Förderung des Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen. Das allerdings ist keine neue Forderung, sondern seit Jahren Politik seines Hauses.

Internationale Kulturpolitik allein könne den Konflikt mit den fundamentalistischen Strömungen aber auch nicht lösen. Das könne nur die islamische Welt selbst. Davon ist Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer überzeugt und vermisst Demonstrationen gemäßigter Muslime in den westlichen Städten. Genau diese westlichen Städte aber, daran erinnert Rita Süssmuth, hätten in den letzten Jahren alles daran gesetzt, um zu verhindern, dass Muslime ihre internen Konflikte hier austragen. Auf jeden Fall müsse endlich die Besteuerung ausländischer Künstler abgeschafft werden. Daran erinnert zuguterletzt Gastgeber und Kulturrats-Vorsitzender Max Fuchs. Dem stimmten alle begeistert zu.

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