Kulturpolitik : Wir bauen selbst

Erste Details: Senats-Pläne für die Berliner Kunsthalle. Eröffnung soll 2013 sein. Und Geld geben soll es auch.

Christina Tilmann/Christiane Peitz

Insgesamt 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, verteilt auf drei Räume, ein Intendant, zwei Kuratoren und ein Team von 20 Mitarbeitern, dazu ein Jahresbudget von 4,8 Millionen Euro, das zu 80 Prozent vom Land übernommen wird: Das sind die Umrisse,in denen sich die Berliner Kulturverwaltung eine städtische Kunsthalle für Gegenwartskunst vorstellt, vor allem für die internationale Kunstszene der Stadt. Nachdem die Suche nach einem Investor im ersten Anlauf gescheitert war, will Berlin nun selber bauen. Eine ehrgeizige, womöglich spektakuläre Architektur für Investitionsmittel von 30 Millionen Euro, so lautet das Wunschszenario – der aktuell angespannten Finanzlage zum Trotz.

Das „Konzept für den Betrieb der Berliner Kunsthalle“, das mit der Zustimmung des Finanzsenators bereits die erste große Hürde genommen hat und im Juli dem Parlament vorgelegt werden soll, geht ins Detail: Zwei große und vier mittelgroße Ausstellungen pro Jahr soll es geben, dazu Projekträume für kleinere Präsentationen. Als Ort wird nach wie vor der Humboldthafen favorisiert, wegen der Nähe zum Hamburger Bahnhof und zu den sich dort zunehmend ansiedelnden Galerien. Die Eröffnung ist für 2013 geplant.

200 000 Besucher pro Jahr, die einen Erlös von 560 000 Euro einbringen sollen, nennt das Diskussionspapier. Das ist angesichts von traditionell mauen Berliner Ausstellungszahlen hoch gegriffen – Privatinstitutionen wie c/o Berlin, die unlängst mit ihrer Annie-Leibovitz-Ausstellung einen Coup landete und 110 000 Besucher anzog, legen die Latte hoch. Aber auch die Kunst-Werke in der Auguststraße oder die für zwei Jahre auf dem Schlossplatz angesiedelte Temporäre Kunsthalle können ein Lied vom Kampf um die Gunst der Ausstellungsbesucher singen, trotz erstklassiger Lage.

Die größte Ähnlichkeit besteht naturgemäß mit der Temporären Kunsthalle. Das Konzept eines Kurators, der vier Ausstellungen pro Jahr stemmt und weniger einen fundierten kunsthistorischen Überblick liefern soll als einen Blick auf aktuell brennende Themen und heiße Namen – das klingt verwandt. Auch das mit einigem Erfolg initiierte abendliche Diskussionsprogramm bietet sich zur Nachahmung an – der Hamburger Bahnhof hat sich als Bühne für den Gegenwartsdiskurs bislang nicht sehr profiliert. Die Senatsplaner der Berliner Kunsthalle sind also gut beraten, wenn sie von den Erfahrungen verwandter Häuser lernen. Gemeinsam stark: Die vier Millionen pro Jahr aus dem Landeshaushalt sollen nicht zuletzt verhindern, dass man mit den Freien um die Fördertöpfe konkurriert. til/chp

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