Kultursenator Klaus Wowereit : Das Schweigen der Dahlemer

Klaus Wowereit, Berlins Regierender Kultursenator, gibt seinen Abschied vom Kulturausschuss im Abgeordnetenhaus. Es geht ums Kulturforum und die bezirkliche Kulturarbeit. Beim Tagesordnungspunkt "Nachnutzung der Museen in Dahlem" kommt Kulturstaatssekretär Tim Renner zu Wort.

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Klaus Wowereit in seinem Büro, vor einem Bild von Rainer Fetting.
Klaus Wowereit in seinem Büro, vor einem Bild von Rainer Fetting.Foto: Thilo Rückeis

24 Tage noch. Bevor der Endspurt der Ära Wowereit mit allerlei Feierlichkeiten beginnt, nimmt der Regierende Bürgermeister noch einmal einen kräftigen Bissen vom Schwarzbrot der Lokalpolitik. Indem er einer Kulturausschusssitzung im Abgeordnetenhaus beiwohnt.

Theoretisch hätte er auch die Zusammenkunft am 1. Dezember für seinen Abschiedsbesuch wählen können, aber da gilt es, den spanischen König in der Hauptstadt zu empfangen. Darum also die 45. Sitzung mit den Tagesordnungspunkten „Aktuelle Situation der bezirklichen Kulturarbeit“, „Campus der Demokratie in Lichtenberg“ und „Nachnutzung der Museen Dahlem“. Mag Berlins noch Regierender Kultursenator Klaus Wowereit innerlich mit den Wotan-Worten aus Wagners „Walküre“ geseufzt haben: „Der alte Sturm, die alte Müh’! Doch stand muss ich hier halten!“ – er ist erschienen, überpünktlich – und darf sich zunächst mal loben lassen, vom Vorsitzenden, der eine Flasche Wein sowie einen ziemlich billig aussehenden Blumenstrauß zur Hand hat, vom kulturpolitischen Sprecher der CDU und, ja, sogar von der Grünen-Abgeordneten Sabine Bangert.

Kultursenator Wowereit: Beim Kulturforum muss der Bund erst über den Standort des Museums der Moderne entscheiden

Dann aber geht’s medias in res, Wolfgang Brauer von der Linken will wissen, ob mit dem Museum der Moderne auch endlich die Vollendung des Kulturforums kommen werde. Gemach, antwortet Wowereit, schließlich sei vom geldgebenden Bundestag noch nicht entschieden worden, wo der Erweiterungsbau entstehen solle. Aus seiner Sicht sei das die Sigismundstraße und nicht die Freifläche zwischen der Nationalgalerie und der Philharmonie. Dann lehnt der Regierende sich zurück, schlägt die Beine übereinander, denn die Aussprache über die bezirkliche Kulturarbeit beginnt. Begriffe wie „Kosten- und Leistungsrechnung“, „Kulturprodukte“ und „Globalzuweisung“ werden in die Mikrofone gesprochen, sehr ernsthaft führen die Parlamentarier die Verwaltungsstrukturdebatte, mit Kennermiene hört Wowereit zu.

Den Antrag der Grünen, endlich den Aufbau eines „Campus der Demokratie“ auf dem ehemaligen Stasi-Gelände an der Normannenstraße zu beschließen, quittiert er wiederum mit dem Hinweis auf die Federführung des Bundes. Ebenso verhält es sich übrigens auch bei der Nachnutzung der Dahlemer Museen, die bis 2025 von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz „leer gezogen“ werden. Hier lässt Wowereit allerdings Tim Renner reden. Denn Renners erste Amtshandlung als Staatssekretär war eine Sitzung, bei der es um das Dahlem-Dilemma ging. Gemeinsam habe man damals die Frage aufgeworfen, ob nicht vielleicht das Bundesforschungsministerium Dahlem zum Science-Center entwickeln wolle. Eine Antwort darauf, muss Tim Renner zugeben, steht allerdings noch aus.

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