Kulturstaatsminister : Anruf vom Kanzleramt

Zehn Jahre Kulturstaatsminister - da muss man feiern. Kanzlerin Angela Merkel war auch dabei, beim offiziellen Festakt der Bundesregierung in Berlin. Die Bilanz des Abends: Vier Persönlichkeiten widmeten sich bisher dem Amt, und Merkel erkennt die Moral der Kulturpolitik.

Rüdiger Schaper

Gefühlt sind es nicht zehn, sondern mindestens zwanzig Jahre, dass wir – es lebe der Föderalismus! – einen Kulturstaatsminister haben. Das liegt an der relativ großen Zahl der Persönlichkeiten, die dieses Amt formten und formen (vier bislang), aber auch an der hohen Frequenz der Feierstunden. Am Dienstagabend also der offizielle Festakt der Bundesregierung mit der Kanzlerin und dem kulturpolitischen Quartett im Berliner Martin-Gropius-Bau: „Im Bund mit der Kultur“.

Eine schöne große Koalition. Die ersten drei BKMs (Michael Naumann, Julian Nida-Rümelin, Christina Weiss) waren von der SPD und mehr oder weniger Quereinsteiger, der aktuelle Amtsinhaber Bernd Neumann ist ein alter CDU-Fahrensmann. Eitel Einigkeit herrscht in den kulturellen Angelegenheiten. Und auch schon vorweihnachtliche Stimmung. Von der Galerie herab schweben getragen-feierliche Töne (Mozart und Barockes), Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters mit ihrem Dirigenten Ingo Metzmacher sorgen für das, was man bei solchen Veranstaltungen als musikalische Untermalung bezeichnet. Nachher zeigt Nils Landgren, Posaunist und Leiter des Berliner Jazz-Fests, dass Disharmonien und Kakophonie den Kopf wach halten.

Angela Merkel hält in kurzer Zeit schon ihre zweite kulturpolitische Grundsatzrede, nach ihrem Auftritt Anfang September in der Münchner Zentrale des Goethe-Instituts. Auch in Berlin sagt sie: „Man muss die eigene Kultur kennen, um andere Kulturen zu verstehen.“ Kunst und Kultur nennt sie die „unerlässlichen geistigen Grundlagen unseres Landes, sie geben Orientierung in globalisierter Zeit, Kulturpolitik ist demnach eine „moralische Aufgabe“. Man könne jetzt ja sehen, so die Bundeskanzlerin, wie verhängnisvoll die Trennung von Ökonomie und Ethos sei.

„Ausgaben für Kultur sind Investitionen für ein lebens- und liebenswertes Deutschland.“ Ein Merkel-Merksatz in der Tradition Richard von Weizsäckers, der als Bundespräsident einst eine epochale Rede zur Kultur hielt. In Angela Merkels guten und gut gemeinten Worten scheint eine handfeste Mitteilung auf: Der millionenschwere Filmförderfonds wird tatsächlich bis 2012 verlängert.

Film war von Anfang an Bernd Neumanns Lieblingsthema; da kennt er sich aus. Er ist nun länger im Amt als jeder seiner Vorgänger, und es gibt auch noch einen anderen Unterschied. Naumann, Nida-Rümelin und Weiss wurden von Gerhard Schröder angerufen, ob sie den Kulturposten im Kanzleramt übernehmen wollen. Neumann frohlockt in der von Goethe-Präsident Klaus-Dieter Lehmann moderierten Runde: „Ich bin nicht angerufen worden, ich habe angerufen. Wir haben diskutiert, wer denn als Kulturstaatsminister infrage käme, und da kam ich auf mich selbst.“

So locker hat man Neumann noch nicht erlebt. Er feixt mit Naumann übers Feuilleton, die beiden sind ein Herz und eine Seele. Naumann ist froh, den Job los zu sein, Neumann will weitermachen. Merkel ist da schon weg. Draußen, bei der Finanzkrise. Rüdiger Schaper

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