Kulturtage des Auswärtigen Amts : Das Draußen ist längst drinnen

Drei Tage lang „Menschen bewegen“: Ein öffentliches Forum in Berlin präsentiert die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik.

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Das Auswärtige Amt in Berlin.
Das Auswärtige Amt in Berlin.Foto: Thomas Imo/Photothek/Auswärtiges Amt

Wie noch keiner seiner Vorgänger hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik (AKP) zu seiner Herzensangelegenheit gemacht. Das von Willy Brandt geprägte Wort von der „dritten Säule der Außenpolitik“, jahrzehntelang mehr Forderung als Tatsachenbeschreibung, ist bei Steinmeier auf überaus fruchtbaren Boden gefallen. Keine längere Auslandsreise, bei der nicht eine Kulturdelegation dabei ist, der zudem jeweils ein Künstler im dergestalt „geschützten Raum“ angehört und ein deutscher Kulturschaffender, der „beruflich und biografisch dafür steht, das Deutschland ein Einwanderungsland ist“, und nun, als Migrant, als Mitrepräsentant seines neuen Heimatlandes auftritt. Und damit Aufsehen im Besuchsland erregt.

So jedenfalls schilderte es Andreas Görgen, der umtriebige Leiter der Kulturabteilung im Auswärtigen Amt (AA) bei der Vorstellung des Programms „Menschen bewegen. Forum zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik“, das vom 13. bis 15. April in Berlin stattfindet. Warum das AA als Veranstalter ausgerechnet hier in Berlin? „Die Kompetenz, die wir im Ausland erworben haben“, so Görgen, „wollen wir jetzt nach innen legen“, und Klaus-Dieter Lehmann, als Präsident des Goethe-Instituts der Vertreter des wichtigsten Kulturpartners des AA und am Mittwoch selbstverständlich dabei, unterstrich: „Innen und Außen sind keine getrennten Welten mehr.“

Das Draußen kommt also nach drinnen, vor allem am 14. April bei der „Langen Nacht der Ideen“ und am darauffolgenden Tag bei „Kultur- und Außenpolitik“ in der „Station Berlin“, wie der frühere Postbahnhof am Gleisdreieck (Luckenwalder Str. 4–6) inzwischen heißt.

Funky Science and Punky Buddha

Bei der „langen Nacht“ stehen Einzelprojekte beispielhaft im Programm, ob nun das Naturkundemuseum seine Sammlung als „Globales Erbe“ präsentiert oder das Gorki-Theater sein Stück „Common Grounds“ von und durch Yael Ronen aufführt, um Fragen der verschiedenen Identitäten in Berlin und das Gemeinsame der Stadt zu untersuchen und anschließend mit den Theaterleuten zu diskutieren; ob sich im Wissenschaftsforum „Funky Science & Punky Buddha“ ein Stelldichein geben oder in der Akademie der Künste „Neue Plattformen des internationalen Kulturaustauschs“ – mit Blick auf den öffentlichen Raum – und die derzeitige Ausstellung „Demo.Polis“ behandelt werden.

Am Freitag, den 15. April gibt es am Gleisdreieck nicht weniger als zwei Dutzend Workshops zu Themen von „Elektrolyrik“ bis „Totalitarismus vs. Demokratie“, es gibt „Talkbeiträge“ von Künstlern aus Nigeria oder Saudi-Arabien bis hin zu Ex-Fußballer Gerald Asamoah, dazwischen spielt unter anderem die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ein bisschen Mozart, und nachdem Außenminister Steinmeier um 18 Uhr noch eine Grundsatzrede zur AKP hält, lässt DJ Captain Shaki die Plattenteller kreisen.

Im bunt gemischten Angebot vielleicht zu übersehen, zumal nicht ganz so öffentlich zugänglich, aber ganz besonders wichtig ist die Zusammenkunft von mehr als 300 Schülern, Lehrern und Schulleitern aus 30 Ländern im Weltsaal – nomen est omen! – des Außenministeriums: Sie sprechen über Stand und Ergebnisse der „Partnerschul-Initiative“ (PASCH), die binnen sieben Jahren von 400 auf derzeit 1800 Schulen gewachsen ist und rund 600 000 Schülerinnen und Schüler in 120 Ländern zum Spracherwerb, zum Deutschlernen führt. Das sind eben nicht die renommierten und mit entsprechenden Zugangshürden versehene Deutschen Auslandsschulen, sondern Schulen, die sich beworben haben und nach einem einheitlichen Kriterienkatalog ausgesucht wurden.

Gegen Ideologisierung hilft nur Differenzierung

Der Goethe-Präsident, ein geborener Volkspädagoge, kommt ins Schwärmen, wenn er über PASCH redet: Das sei „nicht aufgepropft, sondern Teil der Schule“, und zum Beweis der „Bildungsbiografien“, die durch den Spracherwerb ermöglicht werden und auf ihm aufbauen, sprach am Mittwoch eine frühere Schülerin aus Russland und heutige Studentin mit daad-Stipendium in Berlin, Irina Avdeeva, in so makellosem Deutsch, dass sie anschließend halb ironisch, halb ungläubig gefragt wurde, ob sie denn auch Russisch spräche? Die beste Werbung für PASCH seien „die Eltern“, betonte Lehmann.

Die Leitsätze der AKP – Steinmeier hat sie oft formuliert – geben dem Programm „Menschen bewegen“ die politische Perspektive. In der Formulierung des Berliner Drei-Tage-Programms: „In einer Welt, die aus den Fugen geraten scheint, in der Konflikte zunehmend kulturell-religiös aufgeladen werden, gilt im besonderen Maße: Gegen Ideologisierung hilft nur Differenzierung, Austausch und gemeinsame Arbeit in Kultur, Bildung und Wissenschaft.“ Dazu bedarf es der Partnerinstitutionen, wie Goethe-Institut, daad und Institut für Auslandsbeziehungen. Sie stehen für gesellschaftliche Teilhabe, ob „draußen“ in aller Welt oder genauso auch drinnen, im Einwanderungsland Deutschland.

Programm und Anmeldung unter www.menschenbewegen2016.de

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