Kulturtipps für Berlin : Wohin am Abend?

Lars Eidinger liest aus Queen Elizabeths Eierkuchen-Rezept, drei Schwestern lehren das Fürchten und das Festival „Around the World in 14 Films“ eröffnet mit dem Cannes-Beitrag "Leviathan". Was der Abend in Berlin sonst noch bringt, verraten unsere Kulturtipps.

Lars Eidinger.
Lars Eidinger.Foto: dpa

Literatur: Letters of Notes

Shaun Usher sammelt Briefe. Seine Sammlung, die er regelmäßig auf www.lettersofnote.com erweitert, enthält heitere, ernste und bizarre Schreiben populärer Persönlichkeiten. So verriet Queen Elizabeth II Eisenhower ihr ganz persönliches Eierkuchen-Rezept. Die 125 eindrucksvollsten Briefe gibt es nun in Buchform. Vorgestellt werden sie unter anderem von Lars Eidinger.

20 Uhr, 15/12 Euro Babylon Mitte, Rosa-Luxemburg-Straße 30, Mitte

Nele Winkler, Juliana Götze und Rita Seredßus sind "Schwestern".
Nele Winkler, Juliana Götze und Rita Seredßus sind "Schwestern".Foto: Marc-Steffen Unger

Premiere: Schwestern

Nele Winkler, Juliana Götze und Rita Seredßus sind drei Schauspielerinnen mit Down-Syndrom, die nun – frei nach Tschechow – drei Schwestern spielen und tanzen. Ausgezogen sind sie, um die anderen das Fürchten zu lehren. Wie das? Nun, indem sie erzählen, offen erzählen. Aus ihrem Leben, von der Liebe, über ihren Körper und ihre Sehnsüchte. Mit dabei: Neles Mutter Angela.

20 Uhr, 15/10 Euro, Sophiensaele, Sophienstraße 18, Mitte

Synth'n'B: Kwabs

Gerade noch zu Tränen gerührt – in der nächsten Minute schon wieder am Tanzen. Der Londoner Kwabs nimmt sein Publikum mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Musikalisch im Synth’n’B angesiedelt, kombiniert Kwabs elektronische Beats mit souliger Baritonstimme. Wir warten auf das erste Album.

20 Uhr, 16 Euro, Villa Elisabeth, Invalidenstraße 3, Mitte

10 Tage in Berlin: 14 große Filme der Welt

Andrej Swjaginzew – nie gehört? Mit seinem Debüt, der Vater-Söhne-Reise „The Return“, gewann der 1964 geborene Russe vor elf Jahren den Goldenen Löwen von Venedig, und soeben in Cannes schrammte er mit „Leviathan“, dem grandios finsteren Porträt seiner Heimat, nur knapp an der Goldenen Palme vorbei. „Leviathan“ eröffnet an diesem Freitag – in Anwesenheit des Regisseurs – das inzwischen in Berlin fest etablierte Festival „Around the World in 14 Films“, dessen rühriger Kurator Bernhard Karl von den großen Festivals eindrucksvolle Titel versammelt, die hierzulande leider oft nie ins Kino finden.

Auch „Leviathan“, einer der Top-Nominierten zum Europäischen Filmpreis demnächst in Riga, hat bislang keinen deutschen Kinostart, ebenso wenig Lisandro Alonsos „Jauja“ oder Naomi Kawases „Still the Water“ – um nur zwei starke Werke aus Argentinien und Japan zu nennen. Streitbar mag manches sein, was Karl zehn Tage lang im Babylon Mitte zum Berliner Premierenbündel schnürt, schlecht hingegen ist hier nichts. Sogar an die ganz, ganz treuen Fans des Jean-Luc Godard hat er gedacht. (jal)

Details unter: www.14films.de

Jack (Ivo Pietzcker) und sein kleiner Bruder Manuel (Georg Arms) irren durch die Nacht.
Wo bist du, Mama? Jack (Ivo Pietzcker) und sein kleiner Bruder Manuel (Georg Arms) irren durch die Nacht. Der Film lief im Februar...Foto: Camino Filmverleih

Filmtipp: Jack

Man hat dem Film vorgeworfen, er habe nur eine Idee. Und reite darauf herum. Das tun allerdings manche, denen allerorten rote Teppiche ausgelegt werden. Edward Berger erzählt in "Jack" von nichts anderem als zwei kleinen Jungs in Berlin, deren sehr junge, sehr lebensdurstige Mutter sie einfach vergisst – ein paar Tage und Nächte lang. Und er nimmt dabei nichts weiter als die Perspektive der Kinder ein. Auf so eine Idee muss man erst mal kommen.

Babylon Mitte, Sputnik, Tilsiter

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