Kunst : Akademie der Künste ehrt Galerist Klaus Werner

Wer bei Klaus Werner in der Arkade ausstellen durfte, hatte es geschafft in der alternativen Mund-zu-Mund-Propaganda-Kunstlandschaft der DDR. In der Galerie Parterre können sich Interessierte ein Bild von dem brillanten Strippenzieher machen.

Michael Zajonz

Die grüne Tür wirkt irritierend. Schmal und unansehnlich ist sie, mit Unterschriften bedeckt. Man staunt, wer alles seine Signatur hinterlassen hat: vom DDR-Malerstar Werner Tübke bis zum damals längst von der Stasi observierten Ralf Winkler alias A.R. Penck. Klaus Staeck unterschrieb am 3. November 1976, Jenny Holzer ein Vierteljahrhundert später. Es ist die Bürotür von Klaus Werner, der von 1973 bis 1981 Chef der legendären Ost-Berliner Galerie Arkade am Strausberger Platz Nummer 4 gewesen ist. Wer in der Arkade ausstellen durfte, hatte es geschafft in der alternativen Mund-zu-Mund-Propaganda-Kunstlandschaft der DDR. Werner war einer von drei, vier Ost-Galeristen, denen man noch heute ein Gesicht zubilligt. Eine Soloshow bei ihm war mehr Wert als die Zulassung zu einer der zentralen DDR-Kunstausstellungen in Dresden.

Werner hat seine Bürotür einfach mitgenommen, nachdem ihn der Staatliche Kunsthandel der DDR zum 1. Januar 1982 fristlos entlassen hatte. Die Signaturen auf ihr stammen nicht nur von Ost-Künstlern, die Werner in der Arkade ausgestellt hat, sondern ebenso von Künstlern und Kuratoren, denen er sich ab 1990 als Gründungsdirektor der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig oder zwischen 2000 und 2003 als Rektor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst verbunden fühlte.

Die Tür war sein Talisman. Nun lehnt sie an der Wand: als Namensgeber der Ausstellung „Die grüne Tür: Klaus Werner in Berlin“, von der Akademie der Künste gemeinsam mit der kommunalen Galerie Parterre des Bezirksamts Pankow veranstaltet. Der 1940 geborene Kunsthistoriker gehört zu den schillerndsten Figuren der ostdeutschen Kunstszene. Als SED-Mitglied sowie Galerieleiter beim Staatlichen Kunsthandel war Werner Erfüllungsgehilfe desselben Systems, das er unermüdlich zu unterlaufen suchte. Seiner Erscheinung, so der Maler Hans Hendrik Grimmling, haftete „das Parfüm des Westens“ an: Weltläufigkeit im kleinbürgerlichen Land. Die letzten DDR-Jahre schlug er sich als freiberuflicher Kunstwissenschaftler durch.

Seit 2006 wird Werners persönliches Archiv von der Berliner Akademie der Künste betreut. Noch sind die knapp neun laufenden Meter Papier nur ansatzweise geordnet. Werner selbst kann zu all dem nichts mehr sagen. Er lebt, an Alzheimer erkrankt, in einem Leipziger Pflegeheim. Schon streiten Nachgeborene mit Weggefährten darüber, wie nahe man ihm gestanden haben muss, um sein Wirken richtig zu beurteilen. Der parallel zur Ausstellung erschienene Band „Klaus Werner: Für die Kunst“ (Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2009, 28 €) versammelt persönliche Erinnerungen, zitiert aus Stasiunterlagen und Briefen und unternimmt den Versuch, Werners professionelle Biografie nachzuzeichnen. Die Würdigung durch alte Mitstreiter wie Barbara Barsch oder Gabriele Muschter tendiert zum verklärenden Blick auf einen Menschen, dem Abstand wichtig war.

Die von Kathleen Krenzlin, der Leiterin der Galerie Parterre, kuratierte Ausstellung überlässt die Wertung dem Besucher. Der kann sich anhand von Archivmaterial über den brillanten Strippenzieher informieren, sieht Werke von Künstlern, mit denen er sich in seinen Berliner Jahren 1959 bis 1984 beschäftigt hat, und kann die 15 Interviews lesen, die die junge österreichische Kunsthistorikerin Daniela Zeilinger mit Zeitgenossen geführt hat. Dabei entsteht ein Bild, das so gar nichts gemein hat mit westlichen Vorurteilen über den farblosen Osten.

Bei der seinerzeit (und nun wieder) ausgestellten Kunst hingegen lässt sich der Ärger, der durch die Staatsmacht drohte, nicht mehr nachvollziehen. Arbeiten von Carlfriedrich Claus, Peter Herrmann oder Horst Bartnig sind noch immer sehenswert, doch bleiben sie verhalten. 67 Einzelausstellungen fanden unter Werners Regie in der Arkade statt, die 68. mit Hans Scheib platzte durch die Schließung 1982. Entlassen wurde er, nachdem er bei einem von ihm organisierten Pleinair im Mecklenburgischen eine Performance von Michael Morgner mit einer aus dem Westen geborgten Videokamera gefilmt hatte. Die Tür hinter Werner schlug endgültig zu.

Galerie Parterre, Danziger Straße 103, bis 11. Oktober tägl. 14–20 Uhr.

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