Kultur : Kunst aus der Box

Christiane Rösinger

trifft den Silver Surfer Ohne DJ geht gar nichts mehr, das DJ-tum ist inzwischen in fast alle Lebensbereiche eingezogen. Auf Dorfhochzeiten, in Pizzerien und Klamottenläden, beim Friseur – überall wird aufgelegt. Wie lange wird es noch dauern, bis in der Zahnarztpraxis und im Baumarkt Turntables auf Tapeziertischen stehen? Auch die Kunstwelt, die Welt der Galerien, der Vernissagen und Finissagen, wäre ohne Plattenaufleger ärmer. In den Clubs wiederum, der natürlichen Umgebung des DJs, gibt man sich seit je her kunstverbunden. Viele Clubs tarnten sich aus Steuergründen gerade in diesen dürren Zeiten gerne als unkommerzielle Galerien.

Warum auch nicht? Videokunst und Visuals am Dancefloor sind ohnehin unverzichtbar, desgleichen Neonkunst, Graffity am Bau oder Porno-Ölgemälde auf den Toiletten. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die erste Galerie auf die Idee kam vollends in einen Club zu ziehen. Die Rebell Minds Gallery ist in Berlin für extravagante Ausstellungen bekannt, man zeigt limitierte Serien und Kunst-„events“ an ungewöhnlichen Orten, ließ guerillaähnlich Kunstwerke im öffentlichen Raum, in halböffentlichen Zusammenhängen oder im ganz privaten Bereich auftauchen und wieder verschwinden.

Nun initiiert die Rebell Minds Gallery am 12.10. das Kunstereignis Electric Girl and the Shadows im Casino Friedrichshain (Mühlenstraße 26-30). Die Künstler ZEVS und Kaludjerovic gestalten dazu großformatige Diapositive, die in skulpturaler Form als rundum begehbare Leuchtkästen glimmen. Da träumt ein kleines Mädchen davon Rockstar zu sein. Ihre Posen und Bewegungen gleichen dabei denen der berühmten Grunge-Witwe Courtney Love.

Zu diesem Thema werden dann auf dem ersten und zweiten „Floor“ fünf Leuchtkästen der Serie „Electric girl“ und vier Leuchtkästen der Serie „shadows“ installiert und die stadtbekannten DJs Haito und Silversurfer legen ausgewählte Tracks zum Thema auf. Die New Yorker Perfomancekünstlerin und Szeneautorin Dahlia Schweitzer führt eine multimediale Performance auf, die „erotisierende Momente zwischen Schmutz und Hochglanz, zwischen Licht und Schatten verbreitet“. All dies macht Sinn, denn das Auge tanzt bekanntlich mit. Und Kunst und Clubs sind praktisch eines.

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