Kultur : Kunst aus Slowenien: Die Reinheitsfrage der Nation

E. K.

Was den Schweden der Elch, das ist der Grottenolm für Slowenien. Als Nationalsymbol ziert er Briefmarken und Münzen des 1991 gegründeten Staates. Aus Grottenolm-Lettern entwickelte Damijan Kracina seinen "Ersten slowenischen, bodenständigen Zeichensatz". Die süffisant der Norm angepasste Typografie Kracinas, der auch die fiktive Nationalmarkenwerbung auf unserem Foto entwarf, diente für das Plakat der Ausstellung "Vulgata": Unter diesem Titel fand 2000 in Ljubljana die 3. Triennale Zeitgenössischer Slowenischer Kunst statt. Nun hat der Neue Berliner Kunstverein (bis 24. Juni; Di - Fr 12 - 18 Uhr, Sa / So bis 16 Uhr) den Kurator Gregor Podnar eingeladen, erneut junge slowenische Kunst zu zeigen: 15 Positionen der 90er Jahre. Einen Teil der Ausstellung hat Podnar als pointierten Kommentar zur Frage der Nation konzipiert. Die Künstler spielen scheinbar systemkonform mit Erscheinungsformen des slowenischen Nationalismus, gründen beispielsweise das fiktive Forschungsinstitut für geo-künstlerische Statistik der Republik Slowenien. Das Forschungsteam Vuc Cosic / Alenka Pirman / Irena Wölle sucht mittels eines alten Spirometers den Slowenen mit der Super-Lunge: angeblich um nachzuweisen, dass die slowenische Lungenleistung europaweit Spitze ist. Nicht-Slowenen sind nicht zugelassen. Statt die frag-würdigen Aspekte der Aktion anzuprangern, applaudierten jedoch die slowenischen Medien dem Verfahren. Sie nahmen den Wettbewerb nicht künstlerisch Ernst, sondern patriotisch.

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