Kultur : Kunst der Balance

Pamela Rosenberg wird Intendantin der Berliner Philharmoniker

Christine Lemke-Matwey

Orchestervorstand Peter Riegelbauer meldet sich gut gelaunt aus der Ferne, Kultursenator Thomas Flierl jubiliert aus dem Urlaub („Ich bin sehr froh!“), und auch Helge Grünewald, der philharmonische Pressesprecher, ist gerade frisch erholt heimgekehrt. Ursprünglich sollte am gestrigen Donnerstag verkündet werden, was die Musikwelt durch eine Indiskretion (aus der Senatskulturverwaltung oder der Philharmonie?) bereits Mittwochabend erfuhr: Pamela Rosenberg wird ab 2006 Intendantin der Berliner Philharmoniker.

„Ein Glücksfall“, betont Riegelbauer, „maßgeschneidert“ – und kommt aus dem Schwärmen kaum mehr heraus. Die 60-jährige Musikmanagerin sei eine „absolute Bereicherung“ für die Philharmoniker und im internationalen Geschäft bestens vernetzt. Vor allem die Vielfalt ihrer Kompetenzen habe dafür gesorgt, dass die Findungskommission – aus Vertretern des Orchesters und der Stiftung Berliner Philharmoniker unter Vorsitz des Kultursenators – am Ende einstimmig entschied. Man freue sich, so Riegelbauer, zukünftig von einer Persönlichkeit mit so viel „natürlicher Autorität“ vertreten zu werden. Hauptsächlich aber erhoffe man sich von ihr und mit ihr eine Stärkung der künstlerischen Programmatik.

Sollten dafür zusätzliche Mittel vonnöten sein, so wisse man sich bei Rosenberg bestens aufgehoben. Den Umgang mit Sponsoren nämlich hat die gebürtige Kalifornierin in den vergangenen vier Jahren als Direktorin der Oper von San Francisco gelernt. Und im Künstlerischen ist sie ohnehin zuhause: An der Frankfurter Oper gehörte sie in der legendären Gielen-Ära mit zur Direktion, als Ko-Intendantin der Stuttgarter Staatsoper an der Seite von Klaus Zehelein festigte sie mit innovativen Sängerbesetzungen den musikalischen Ruf des Hauses. Was Rosenberg in Berlin als erstes erwartet? Die lange beschworene Öffnung der Philharmonie jenseits des Konzertbetriebs. Und des gesamten Geländes des Kulturforums.

Ihren Vertrag unterschreibt Rosenberg Ende August, zu Beginn der neuen philharmonischen Saison. Ihr Amt tritt sie im Januar 2006 an, zunächst mit einem Vorvertrag, ab 1. August dann fest. Exakt drei Jahre lang wird der Intendanten-Posten dann verwaist gewesen sein: Im Januar 2003 hatte Rosenbergs eher unselig agierender Vorgänger Franz Xaver Ohnesorg den Dienst quittiert. Drei Jahre, in denen Ohnesorg umfänglich abgefunden werden musste, drei Jahre, in denen sich Simon Rattle und die Orchestervorstände die Arbeit teilten.

Kultursenator Thomas Flierl erhofft sich in jedem Fall eine „neue Balance zwischen Intendanz und Chefdirigent“. Die Frage freilich, was die Opernfachfrau Rosenberg an einem Spitzenorchester reizt, delegiert er lieber an diese selbst. Die Herausforderung an sich, der Einklang von künstlerischer Gestaltung und wirtschaftlichem Rechnen? Einen halben Tag lang, so hieß es, sei Pamela Rosenberg gestern in Berlin gewesen. Zu kurz, um der Stadt den unsommerlichen Dauerregen übel zu nehmen.

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