Kultur : Kunst durch Krawall

Philipp Lichterbeck tröstet den Star-Geiger David Garrett

Lieber David Garrett, wie wir erfahren haben, sind Sie auf dem Weg zu einem Konzert im Londoner Barbican Center ausgeglitten und auf Ihren Geigenkasten geprallt. Als Sie den Kasten öffneten, erblickten Sie darin die Stücke ihrer zerbrochenen Stradivari, Baujahr 1718. „Es war als ob ich einen guten Freund verloren hätte“, sagten Sie. Sicher ist es nur ein schwacher Trost, aber schon die Römer wussten: Si qua placent, abeunt – was man gern hat, geht. Und hey, versuchen Sie das Malheur doch im Sinne Nietzsches als „schöpferische Zerstörung“, als Katharsis, zu begreifen. Sie, erst 26, galten mit Ihren langen Haaren doch sowieso als Klassik-Revoluzzer. Und geben Sie’s doch zu, Sie hätten auch gerne mal ihr Instrument wie Kurt Cobain in die Pauke geschmissen. Jetzt haben Sie Vorbildcharakter: Der Bariton Erwin Schrott wird seinem Namen Ehre machen und die Bühnen in eben jenen verwandeln? Sir Simon Rattle wird seinen Taktstock unter die Zuschauer schleudern und schreien: „Die Berliner Philharmoniker sind bekannter als Jesus.“ Die Oper wird zu ihren Wurzeln zurückfinden, die laut Richard Wagners Urenkelin Katharina „Sex, Crime, Notzucht und Ehebruch“ sind. Klassik? Völlig kaputt! Wir freuen uns auf Ihr Konzert im Berliner Tempodrom am 15. Mai.

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