Kultur : Kunst gegen Krieg

Villa Grisebach, Hotel de Rome: neue Allianzen für eine Benefizauktion

von
Naturkunde.
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Was für ein Netzwerker, muss Frank-Werner Peter gedacht haben, wann immer ihm Igor Paasch in den Blick geriet. Der Berliner Künstler steht an der Tür im Restaurant „Grill Royal“, empfängt die Gäste, kennt jeden und beherrscht den small talk. Irgendwann im Sommer hat Peter nachgehakt: Ob Paasch sich auch ein Fundraising-Projekt vorstellen könne? Für den Verein Placet Berlin, zu dessen Vorstand der Arzt gehört. Frank-Werner Peter und andere holen Terroropfer, meist Kinder, aus dem Irak oder Tschetschenien, um sie kostenlos zu operieren. Die Chirurgen arbeiten ehrenamtlich – das gelte für alle, die Placet unterstützen.

Acht Monate später weiß Paasch, wie viel Zeit und Energie ein solches Projekt frisst. Dass man „viel gute Energie“ daraus ziehen, aber auch dankbar sein kann, wenn der Stress vorbei ist. Über ein Galadinner oder eine Party zugunsten von Placet hat Paasch kurz nachgedacht und wieder Abstand genommen. Stattdessen konzentrierte er sich auf das Naheliegende: Er bat Künstlerfreunde wie Damien Hirst, Gregor Hildebrandt, Jonathan Meese, Douglas Gordon, Monica Bonvicini oder Carsten Fock um Spenden für eine Auktion.

34 Werke sind so zusammengekommen. Man kann sie ab heute in der Villa Grisebach anschauen, die Versteigerung findet am 13. März im Ballsaal des Hotel de Rome statt. Am Pult steht dann – erstmals – Daniel von Schacky, bei Grisebach sonst der Experte für zeitgenössische Kunst. Und auch er dürfte zufrieden sein: Was unter seinen Hammer kommt, sind keinesfalls Staubfänger, die die Künstler schon immer mal loswerden wollten. Es ist allererste Ware, teils just entstanden oder auch eigens für die Charity-Kunstauktion gemacht.

„Placet Berlin Spin“ gehört dazu, die Arbeit von Damien Hirst. 12 000 Euro soll das Unikat mindestens kosten. Dass es nicht dabei bleiben wird, zeichnet sich schon jetzt ab: Es gibt mehrere Vorgebote für die abstrakte Arbeit, die der Star der Szene als Erster überhaupt für die Versteigerung gab. Doch Paasch hat auch bei den anderen Künstlern nicht vergebens angeklopft: Von Gerold Miller stammt das „Total Object 253“ zum Mindestgebot von 2000 Euro, Michel Comte hat ein Fotoporträt von Jeff Koons herausgerückt (1500 Euro), Saâdane Afif ein Objekt aus drei weißen Wanduhren (6000 Euro) und Daniel Richter eine Papierarbeit, für die seine Galerie 12 000 Euro verlangen würde. 5500 Euro untere Taxe klingen da reichlich bescheiden. Doch die Preise sind im Einvernehmen mit den Künstlern festgelegt und spiegeln nicht zuletzt ihr Engagement. „Hauptsache, das Bild spielt Geld ein“, hat Richter beim Abgleich gesagt. Schließlich wolle man helfen und keine Statusbestätigung für die eigene Person. Das teuerste Objekt stammt von der britischen Künstlerin Sarah Lucas. „Spirit of Pig“ aus Gips, Knochen und einem Stuhl, dessen Galeriepreis bei 65 000 Euro liegt.

Selbst Paasch, der seit Monaten nicht mehr ins eigene Atelier gekommen ist, steuert ein Bild aus dem vergangenen Jahr bei. Ein anderes hat er Tim Raue zum Dank dafür gegeben, dass der Sternekoch die Auktion im Hotel mit einem flying dinner begleitet. 350 Anmeldungen sind inzwischen eingegangen, nach der Vorbesichtigung in der Villa Grisebach wird die Zahl wohl noch steigen. Halb Berlin, hat man den Eindruck, ist für dieses Projekt inzwischen auf den Beinen.

Er sei „hingerissen von der Dynamik“, meint Paasch und darf das ruhig so sagen. Nach wie vor engagieren sich alle ehrenamtlich: Grisebach stellt Räume und leistet logistische Hilfe, Stephan Landwehr lässt Arbeiten in seiner Werkstatt rahmen, das Hotel gibt den Ballsaal, Medienprofi Stephan Balzer ist für die Moderation und Grafikerin Nadine Grisbach für alles Organisatorische verantwortlich. Frank-Werner Peter hat offenbar ein Gespür für mehr oder minder verborgene Talente. Und dafür, wer in Berlin ein Projekt verwirklichen kann, das jede Metropole schmücken würde. Besser, er hält Paasch gleich fürs nächste Mal.

Vorbesichtigung: Villa Grisebach, Fasanenstr. 25; 5.-12.3., Mo–Fr 10–18.30 Uhr, Sa 11–16 Uhr / Auktion: Hotel de Rome, 13.3., ab 17 Uhr. Teilnahme nur nach Voranmeldung unter www.placetcharity.com

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