Kunst in der DDR : Mit spitzen Fingern

Wie DDR-Kunst seit der Wende in Ausstellungen gezeigt wird.

Christina Tilmann

Die gesamtdeutsche Wahrnehmung begann mit einem Eklat, 1999 in Weimar. „Aufstieg und Fall der Moderne“ hieß die Ausstellung im ehemaligen NS-Gauforum und präsentierte, dicht an dicht und chaotisch gehängt, vor grauer Plastikfolie neben den Hervorbringungen der NS-Künstler, die Hinterlassenschaft der damals gerade zehn Jahre untergegangenen DDR. Schlechte Staatskunst sei das gewesen, wurde von den (westdeutschen) Ausstellungsmachern suggeriert. Nicht wenige Künstler klagten vor Gericht und erzwangen eine Umhängung.

Peter-Klaus Schuster zeigte zwar im gleichen Jahr in seiner Berliner Jahrhunderts-Ausstellung in der Nationalgalerie selbstverständlich auch Künstler wie Tübke, Sitte und Metzkes, aber schon 2001 folgte in Nürnberg der nächste Streit: Eine geplante Ausstellung aus dem seit 1992 in Nürnberg lagernden Sitte- Archiv wurde auf Druck des Verwaltungsrats abgesagt. Dem kleinen Privatmuseum, welches die Sitte-Stiftung stattdessen 2006 in Merseburg eröffnete, ist inzwischen das Geld ausgegangen, im Sommer droht Schließung.

Berlin versuchte im Jahr 2003 den Weg des repräsentativen Überblicks. In der Neuen Nationalgalerie zeigen die Hauskuratoren Eugen Blume und Roland März „Kunst aus der DDR“. 135 Künstler, 400 Werke, ein chronologischer Gang durch die Kunstgeschichte, geordnet nach Rubriken wie „Stunde Null“, „Poesie des Alltags“, „Berlin – Schwarze Melancholie“ oder „Großstadt veristisch“. Eine ausgewogene, unpolemische Gesamtschau – und doch etwas zu korrekt im Umgang, in der Konzentration auf den allein künstlerischen Wert. Über die Lebens- und Produktionsbedingungen hätte man gern mehr gewusst.

Die ostdeutschen Fotografen, allen voran Sibylle Bergemann, sind längst in der gesamtdeutschen Wahrnehmung angekommen, zuletzt 2006 mit der Bergemann-Retrospektive der Berliner Akademie der Künste. Doch auch Maler sind seit den Neunzigern mit Ausstellungen bedacht worden: Max Uhlig 1993 in Dresden, Gerhard Altenbourg 2003 in Düsseldorf, Dresden und München, Carlfriedrich Claus 2005 in Chemnitz, Bernhard Heisig 2005 in Leipzig, Düsseldorf und Berlin, Wolfgang Mattheuer 2007 in Leipzig, auch Werner Tübke immer wieder in Leipzig und Harald Metzkes zuletzt in Berlin. Am Wahrnehmungsdefizit hat das nichts geändert. In der Ausstellung „60 Jahre. 60 Werke“ ist allein Mattheuer vertreten. Christina Tilmann

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