Kultur : Kunst mit Hafenblick

VANESSA MÜLLER

Bisher war die Sammlung Grothe prominenter Dauergast im Kunstmuseum Bonn, jetzt hat sie ihr Eigenheim im Duisburger Innenhafen bezogen.Scheidung mit Gütertrennung? Ohne Hans Grothes hochkarätige Sammlung deutscher Gegenwartskunst könnte das Kunstmuseum Bonn vor allem leere Saalfluchten ausstellen.Dieter Ronte, Direktor des Bonner Quartiers, bezeichnet den Neubau aber selbstbewußt als "Dependence" des eigenen Hauses - Querelen um den Fortbestand des Ausstellungskonzepts scheinen vertraglich ausgeräumt.Insgesamt 120 Werke werden jetzt dauerhaft im neuen Museum Küppersmühle mit seinen 22 Räumen auf drei Etagen zu sehen sein, ergänzt durch Wechselausstellungen.Zusätzlich will man aber auch den anderorts etablierten Szenenwechsel praktizieren, der das gesamte Repertoire immer wieder gegen neue Werke austauscht - Zeitgenössisches im Rotationsprinzip.

Um seinen Traum vom eigenen "Künstlermuseum" hat Immobilienmakler Grothe lange gepokert, mit Bonn, Berlin, Bremerhaven und Mönchengladbach verhandelt.Am Ende war es seine Heimatstadt, die den Zuschlag erhielt.Standortvorteil Kunst: Jetzt ist die "Kunst-Kiste" in Duisburg vor Anker gegangen und verleiht dem nach einem Masterplan von Norman Foster entstehenden Nobelprojekt "Innenhafen" die kulturelle Nuance.Jenes zum Wohnviertel gewandelte Hafenareal wartet zwar noch auf seine Vollendung, inmitten der Baustellen setzt das Museum Küppersmühle die Grothe-Kollektion jedoch schon jetzt mit kalkuliertem Understatement in Szene: graue Böden, weiße Wände, hohe Räume mit Kunstlicht.

Drei Jahre lang wurde der denkmalgeschützte Backsteinbau der 1909 errichteten Mühle umgebaut.Für rund 35 Millionen Mark verwandelten die Schweizer Architekturpuristen Herzog / de Meuron, die auch den Erweiterungsbau der Londoner Tate Gallery planen, die Innenräume in großzügige "White Cubes", entfernten einzelnen Geschoßteile und schufen 6 Meter hohe Raumfluchten.In diesem asketischen Setting lassen sich selbst die Riesenleinwände von A.R.Penck inszenieren, ohne gleich jeden Sinn für Proportionen ad acta zu legen.Bestehende Fensteröffnungen wurden mit Backstein zugemauert, um dem ohnehin monolithischen Baukörper noch mehr Geschlossenheit zu verleihen.Lediglich schmale, raumhohe Fensterschlitze ergänzen das Kunstlicht und geben partiell den Blick auf das Wasser frei.Der eigentliche Blick soll sich schließlich auf die Kunst richten, die sich selbst zu hermetischen Ensembles formiert: pro Künstler ein Raum, idealiter ausgestattet mit Arbeiten aller Werkphasen.Denn wo andere ausgewählte Einzelstücke erworben haben, kaufte Grothe en bloc, und jenen Künstlern, an denen er einmal Gefallen findet, bleibt er lange treu.

Auf einer solchen Basis lassen sich fast schon Überblicksausstellungen im Kleinformat arrangieren.Und bei Grothes Faible für deutsche Gegenwartskunst der etablierten Generation sind natürlich alle mit Rang und Namen dabei.Den Anfang macht konsequent Joseph Beuys, der mit seinem "Elfenraum" einen eigenen Raum im Raum erhält.Danach geht es weiter mit den Großen der deutschen Kunst: die Düsseldorfer Malerschule Baselitz, Lüpertz, Immendorf, die gleich fünf Säle belegt, gefolgt von Polke, Penck und Kiefer.Das Gegengewicht zu soviel Figurativem im Großformat setzen Namen wie Knoebel, Richter, Palermo und Trockel, aber auch Fotoarbeiten von Sieverding und Förg.Richter ist mit einem frühen Gemälde nach Fotovorlage vertreten, einem Triptychon in monochromem Grau, einem Landschaftsbild und den neueren, farbigen Hochformaten: Kunst im Dialog mit sich selbst.Und letztlich sind es auch Räume wie dieser, die das manchmal arg aufdringlich "Deutsche" dieser so deutschen Sammlung auf angenehme Art dämpfen.Aber Sammler sind keine Kuratoren.Und daß der Fluchtweg - typisch deutsch - quer durch eine Ruthenbeck-Installation verläuft, entzieht sich der Verantwortung des Hausherrn.Die Residenz für Grothes Kunst kann sich jedenfalls sehen lassen, und auch in den Depots in Bonn wartet noch vieles auf einen zukünftigen Einzug in das schicke Haus am Hafen.

Küppersmühle Sammlung Grothe Duisburg .

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