Kunst : Notiert

Anselm Dreher zeigt Arbeiten von Heimo Zobernig.

Michaela Nolte

Als Messeteilnehmer hat Anselm Dreher beim letzten Art Forum zwar eine Pause eingelegt, präsent war er dennoch: mit Heimo Zobernigs Installation „A1 D1“, die Kurator Hans-Jürgen Hafner für die Sonderausstellung ausgewählt hatte. Parallel zu seiner ersten Berliner Einzelausstellung hatte Zobernig 1992 eine Kunst-Koje für Dreher konzipiert, die damals auf der Art Cologne für Furore sorgte. Zu sehen waren zwei leere Regale und eine Ablage aus Sperrholz. Ein radikales Statement zum Markt- und Betriebssystem Kunst, das sich heute im Besitz der Daimler-Kunst-Sammlung befindet.

Dreher „antwortet“ in seiner Galerie nun auf „A1 D1“ mit einer ganzen Fülle von Arbeiten auf Papier. Zu sehen sind knapp 80 aufschlussreiche Miniaturen Zobernigs aus den achtziger Jahren, jede nicht größer als ein DIN-A-5-Blatt. Gedankenspiele, Form- und Zeichenvariationen aus einer Zeit, in der sich die Kunst des Österreichers von der Neo-Geo-Malerei und farbigen Skulpturen zu immer reduzierteren Um- und Neudeutungen des Minimal entwickelte. Wie ein Fries ziehen sich die Handzeichnungen (1200 €), Karton-Montagen und hektografierten Blätter (450 €) linear und anti-hierarchisch durch die Räume. Deklinieren mit elementaren Strukturen das Formenvokabular des Konstruktivismus durch, loten mit Typographie, Punkt, Kreis und Linie das Verhältnis von Form und Raum aus. Nur einmal wird die stringente Ausstellungschoreographie durchbrochen: mit einem „Bilderblock“ von fotografierten Hundehaufen. Schwarz kartoniert und edel gerahmt, sind sie im grünen Gras oder goldgelben Heu liebevoll in Szene gesetzt. Den Rationalisten als Hedonisten präsentieren Bleistiftzeichnungen, die mit expressiven Skripturen Allzumenschliches umkreisen. Biertisch-Notate des Künstleralltags, aus deren Liniengewirr ein Cocktailglas, ein weiblicher Torso oder das Hinterteil eines Zentauren auftauchen. „Martin“ steht unter einer langgestreckten Figur, ein weiteres Blatt wird von einer Flasche dominiert – „Kippi“-Charme im doppelten Sinn.

Selbstironisch scheint Zobernig seinen pragmatischen Konzeptualismus auch in den Fotografien (1200 €) zu unterwandern. Detailaufnahmen der lackierten Kartonskulpturen lenken den Blick von ihrem trashigen Charakter auf die abstrakten und bisweilen räumlichen Qualitäten dieser Motive. Ein halb bemalter Sockel wird so zum Bergpanorama. Im Fokus der Objektstrukturen entzieht der „Meister des Weglassens“ dem Gemälde die Farbe oder bringt die malerische Sprache von Ad Reinhardt auf den Punkt eines bis zur Schwärze belichteten Fotopapiers. So wie Zobernig auf kein Medium einzugrenzen ist, hebt er einmal mehr die Grenzen von Malerei, Skulptur und Fotografie auf.

Galerie Anselm Dreher, Pfalzburger Str. 80. Bis 30.12., Ö-Zeiten zwischen den Feiertagen nach Vereinbarung unter Tel.: 030- 883 52 49.

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