KUNST Stücke : Affentheater

Christiane Meixner stellt fest, wie doppelbödig manche Malerei ist

Christiane Meixner

Vielleicht ist man sich schon einmal begegnet: im Affenhaus des Zoos, wo Pavel Feinstein still auf einer Besucherbank sitzt und mit dem Bleistift schnelle Striche zieht. Ein kleines Skizzenbuch in der Galerie Friedmann-Hahn erzählt vom unbestechlichen Auge des Künstlers, der mit verblüffend wenig Gesten beeindruckende Tierporträts schafft. Zwei der Affen tauchen auch in seiner jüngsten Ausstellung auf, obwohl sich Feinstein hier ganz auf die Malerei konzentriert. Auf dunkel-diffuse Hintergründe, aus denen Trinkgefäße, überreife Früchte und tote Fische leuchten – wie es sich für ein klassisches Stillleben des 17. Jahrhunderts gehört. Dass sich auch die beiden Zoobewohner auf einem der Bilder innig kraulen, verrät dann allerdings einiges über die Technik des Künstlers. Feinstein, 1960 in Moskau geboren und 1980 nach Berlin emigriert, täuscht die vertraute Ikonografie nur vor: Ein zweiter Blick offenbart, dass sich die Gegenstände auf seinen Bildern gar nicht so harmonisch zusammenfügen wie gedacht. Was hat der Hammer auf dem Tisch zu suchen, was machen die Affen zwischen Granatäpfeln und weshalb starrt einen das seltsame Wesen im Stoffwickel unverwandt an? Feinsteins Malerei mag in der Vergangenheit ankern, sein Stil vom Altmeisterlichen geprägt sein. Die Motive aber präsentieren einen Erzähler, der ebenso durch die Schule des Surrealismus gegangen ist (Wielandstr. 14, bis 5.7.)



Ein Verstörspiel der besonderen Art reibt auch Daniel Sambo-Richter. „German Fragments“ heißt seine Ausstellung, die in der Galerie Rowland-Kutschera einen wahren Teufelsritt durch die Geschichte der jüngeren deutschen Kunst unternimmt. Sambo-Richter hat sich ein fotografisches Porträt von Leni Riefenstahl vorgenommen und es malerisch transformiert. Genau wie ein Bild von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der ein Zimmer weiter hängt und den gegensätzlichen Pol dieser eigenwilligen Zeitreise markiert: hier die enthusiastische Mitläuferin, dort die Ikone des Widerstands. Es ist eine subjektive Rückschau des Künstlers, der sich der Vergangenheit bemächtigt, indem er sie mit seinen eigenen Mitteln nacherzählt. Dabei scheinen manche Gemälde das Missverständnis zu suchen: so wenn Sambo-Richter die Sportler auf seinen großen Bildern nach den Motiven der Olympischen Spiele von 1936 malt und dabei genau wie Riefenstahl zu ästhetischen Maschinen überhöht. Der Eindruck löst sich erst, wenn man Zeit mit den Arbeiten verbringt. Dann wird eine schärfere Sicht auf die Dinge möglich: zum Beispiel darauf, dass jedes der Ursprungsbilder einer Inszenierung folgt, der Sambo-Richter nachspürt und von der er erzählen will, indem er sie malend Stück für Stück demontiert (Baumbachstr. 17, bis 6.9.)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben