KUNST Stücke : Anfänger

Angela Hohmann

Einen koketten Dialog führen die Gegenstände, die Helen Marten in der Galerie Johann König (Dessauer Str. 6–7, bis 4. Juni) auf zwei Bänke gelegt hat. Einen Teil davon ordnet man für gewöhnlich der maskulinen Arbeitswelt zu, die anderen wirken typisch weiblich. Ergänzt wird das Ensemble von Tapeten mit Emblemen der Industrialisierung wie der Dampflokomotive und einer mit schwarzen Balken angedeuteten Fassade im Tudorstil. Marten, Jahrgang 1985, in London ansässig und Debütantin in der Galerie, arbeitet nicht nur in dieser Ausstellung namens „Take a stick and make it sharp“ mit skulpturalen Elementen. Ihr Interesse gilt Industrieobjekten. Aus Geräten für die Arbeitswelt – Holzbänken, Briefkästen, Handys oder Türgriffen – schafft sie Inszenierungen. Ihre Objekte (2800–11 000 Euro) sind Bilder gestörter Funktionalität, die gesellschaftliche Codes zugleich zitieren und auf eine versch(r)obene Art sichtbar machen.

Um Ähnliches geht es auch Kathrin Sonntag. Double take bezeichnet ein Wahrnehmungsphänomen, den Moment, in dem man im Gewöhnlichen auf eine Ungereimtheit stößt und noch mal hinschauen muss, um das Gesehene einordnen zu können. Mit solchen Momenten spielt die 1981 geborene Künstlerin in ihrer Ausstellung „Double Take“ in der Galerie Kamm (Rosa-Luxemburg-Straße 43, bis 25. Juni). Schon die Dia-Installation „Blame it on Morandi“ lotst den Betrachter in ein verzwicktes Spiegelkabinett: 27 Atelieransichten suggerieren jeweils eine Drehung um die eigene Achse; dabei handelt es sich bloß um leichte Verschiebungen. Auf den Bildern tauchen Gegenstände wie Spielkarten, Pflanzen, Weingläser auf, die sich in der Rauminstallation wiederholen (1000 und 15 000 Euro). Eine Fototapete verlagert das Atelier der Künstlerin in den Galerieraum – auch eine Illusion. Gegenstände wie eine weiße Bank mit Pflanze und ein goldener Schirmständer tauchen zugleich als Tapetenmotiv und als Skulpturen im Raum auf und produzieren auf diese Weise unendliche Verdopplungen. So entdeckt man eins ums andere ein Bild im Bild im Bild als ständiges Vexierspiel. Mindestens zweimal muss man hinschauen, um dem beziehungsreichen Spiel zu folgen, mit dem Kathrin Sonntag die Wahrnehmung erst vernebelt und dann schärft. Dabei jongliert sie geschickt mit den Traditionen von Stillleben und Trompe-l’oeil, dem freudigen Taumel an der Täuschung.

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