KUNST Stücke : „ASDFGHJKLÖ“

Ignacio Uriarte in der Galerie Figge Rosen, Tobias Madison bei haubrokshows - ein Ausstellungsrundgang

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Ordnung ist mehr als das halbe Leben. Im Fall von Ignacio Uriarte beherrscht es auch die künstlerische Arbeit – so sehr, dass der in Berlin lebende Künstler in seiner ersten Einzelausstellung der Galerie Figge Rosen (Potsdamer Straße 98, bis 14. April) Winkellineale zu minimalistischen Bildern sortiert und weiße Blätter derart penibel faltet, dass sie an kleine, konstruktivistische Skulpturen erinnern. Dominiert wird die Schau mit dem Titel Arbeitsrhythmus von Blixa Bargelds monotonem Sprechgesang: Für die Klanginstallation „ASDFGHJKLÖ“ hat sich der Sänger der Einstürzenden Neubauten eine Tastenreihe der herkömmlichen Schreibmaschine eingeprägt. Dass sie bis heute die Systematik aller Tastaturen vorgibt, obwohl sie damals mit Rücksicht auf die Mechanik der gewaltigen Schreibapparate konzipiert wurde, mutet in Hörweite der akustischen Arbeit (5500 Euro, Auflage 1/5) reichlich absurd an. Und eben diese Mischung aus Präzision und Sinnlosigkeit, die den Büroalltag prägt, hat es Uriarte angetan. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Madrid wechselte der 1972 Geborene zur audiovisuellen Kunst und knüpft formal an Minimal Art und Konzeptkunst der sechziger Jahre an. Darüber hinaus gehen allerdings der Witz und Uriartes subtile Kritik an der Blindgläubigkeit in die Macht der Ordungssysteme.

Ähnlich geordnet und dennoch für seine konzeptuellen Verhältnisse geradezu chaotisch geht es in den Ausstellungsräumen von Axel Haubrok zu (Strausberger Platz 19, bis 17. März). Der Berliner Sammler hat Tobias Madison für sich entdeckt, mehrere Skulpturen erworben und den 26-jährigen Schweizer nun eingeladen, die Arbeiten für die Ausstellung Fatuma Osman selbst zu arrangieren. Madison tut das in aller Konsequenz: Er verändert seine Skulpturen und deutet sie um. Vieles ist Anspielung auf postmoderne Theorien und schon der Titel der Ausstellung tricky, weil er mit dem Namen jener Künstlerin spielt, die häufig mit Madison kollaboriert. Dessen schlanke Stelen aus Holz und Plexiglas tragen nun selbst genähte Kostüme. Manche sind zusätzlich mit Klettergurten und Papierlampen herausgeputzt und verkörpern unterschiedliche Charaktere. Madison assoziiert eine Party, auf der sich die Figuren im Raum verteilen und den Besucher in ihre Mitte nehmen – so okkupiert der Künstler gleich noch die Halle von haubrokshows und verleibt sie der eigenen Arbeit ein. Dieses additive Prinzip des copy & paste, das Vorhandenes in neue, komplexe Zusammenhänge stellt, ist nicht nur charakteristisch für Madison. Axel Haubrok sieht darin die Strategie einer Generation, der das Originäre nicht länger erstrebenswert scheint, weil die Welt voller Dinge und Referenzen ist, die man bloß sinnvoll kurzschließen muss.

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