KUNST Stücke: : Blümchenkunst

In der Galerie Isabella Bortolozzi steht ein Pool aus Marshmallows des Künstlers Aldo Mondino. Der spielt gerne mit Illusion und die Täuschung - und kreiert ein Meer aus Blumen.

Angela Hohmann
Blumen auf dem Boden vor einer Wand Foto: Archivio Aldo Mondino, Milan and Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin
Blumenmeer: Aldo Mondino in der Galerie Isabella BortolozziFoto: Archivio Aldo Mondino, Milan and Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin

Süß und blumig stellt man sich das Paradies vor. So geht es derzeit auch im Eden, Eden (Bülowstraße 74, bis 19. September) zu. So heißt die ehemalige Apotheke an der Bülowstraße, in der die Galerie Isabella Bortolozzi einen zweiten Raum für Ausstellungsprojekte betreibt. Dort zeigt sie Arbeiten des 2005 verstorbenen Künstlers Aldo Mondino. Gleich beim Eintreten umfängt einen der leicht süßliche Duft. Weiße und rosa Kacheln bedecken die Wand, eine Schwimmbad-Leiter an der Decke komplettiert die Installation. Ein abstrahierter Swimmingpool also. Doch die Kacheln bestehen aus Süßigkeiten, weiße Marshmallows, einige mit Schokolade überzogen, oben eine Reihe von rosa-weißen Schaumzuckerstücken.

„Rules for Illusions“ ist die Ausstellung betitelt (Preise auf Anfrage), und schon der Marshmallow-Swimmingpool veranschaulicht Aldo Mondinos diebische Freude an der Täuschung. Mit viel Lust am hintergründigen Spiel hat der Italiener, der in Paris Kunst studierte und sich vom Surrealismus beeinflussen ließ, seit den sechziger Jahren vor allem im Bereich Malerei und Bildhauerei gearbeitet. Schon früh arbeitete er auch mit verderblichen Materialien. Immer wieder reizte ihn die Illusion, wie bei seinen Kronleuchtern aus Bic-Stiften, die Edles und Profanes in einer raffinierten Täuschung vereinen.

Meer aus Blumen

Trotz stetiger Ausstellungen bis zu seinem Tode und zwei Teilnahmen an der Biennale in Venedig 1976 und 1993 wurde er nie ein Star. Dabei beschritt er auch in der Malerei ungewöhnliche Wege und befreite die Leinwand von ihren Grenzen. Noch 2004 entstanden Gemälde von ekstatisch tanzenden Derwischen, als Leinwand diente Linoleum, darauf finden sich Keramikblüten. Diese entdeckt man auch auf den großformatigen Gemälden wieder, die, von einer Vitrinennachbildung umschlossen, in einem Alkoven stehen. Zum Gallery Weekend waren sie von einem Meer aus Blumen umgeben.

Blumen sind auch die bevorzugten Motive für die kunstfertigen Holzskulpturen des Japaners Yoshihiro Suda, die in der Galerie Loock (Potsdamer Straße 63, bis 5. September) zu sehen sind. Täuschend echt sind sie der Natur nachgebildet und in den White Cube verpflanzt, eine Azaleen-, eine Apfel- und eine Magnolienblüte, ein kleines Unkrautpflänzchen und ein welkes Kischbaumblatt (5000–30 000 €), das ein schon frühzeitig einsetzender Herbstwind hereingeweht haben könnte. Mimesis könnte nicht perfekter sein als hier und entfaltet ihre volle Wirkung – als Fremdkörper, Irritation, Intervention – in vielfältigem und illusorischem Dialog mit der Kunst.

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