KUNST Stücke : Boxenstop

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Vergangene Woche durfte man Künstlern beim Scheitern zusehen. Immerhin 2000 Freiwillige hatten sich für eine sechsteilige arte-ZDF-Produktion rekrutieren lassen, 64 kamen in die engere Wahl und konkurrierten in der ersten Folge von Alles für die Kunst um die Teilnahme in einer telegenen masterclass. Eine internationale Jury entschied anhand der Arbeiten, was nichts Ungewöhnliches ist: Junge Künstler müssen ja ständig durch das Nadelöhr der Kritik. Mit den Kameras im Nacken geriet das Casting dann allerdings zum Schaulauf – wenn auch anders als in vergleichbaren Shows.

Denn während etwa Heidi Klum als Topmodel-Nachwuchs ganz klar den ästhetischen Zwilling von Gisele Bündchen oder Bar Refaeli sucht, braucht „Alles für die Kunst“ das Gegenteil: nämlich Kandidaten, die so einfallsreich wie einzigartig sind. Im zweiten Teil, der diesen Sonntag (18. November, 14.40 Uhr) zu sehen ist, werden die verbliebenen sieben Kandidaten solchen Erwartungen erst einmal gerecht: Jeder trägt seine Ideen vor, spricht mehr oder minder eloquent über zeitgenössische Kunst. Die Vorstellungen sind erwartungsgemäß disparat – und passen gut zu einer Show, die Wissen und Kriterien vermitteln will. Doch schon wenig später stolpert sie über ihre eigenen Bedingungen: Um die Arbeiten der Finalisten vergleichbar zu machen, stellen ihnen die aktuellen Juroren – neben den Kunstsammlern Christiane zu Salm und Peter Raue auch die französische Kuratorin Caroline Smulders – Kisten mit diversen Materialien in ihr Berliner Gemeinschaftsatelier, geben zwei Tage Zeit und erwarten ein Selbstporträt.



Alice Mulliez wehrt sich als erste. Das sei nicht ihr Thema, vermeldet die Künstlerin trotzig und macht sich dennoch an die Arbeit. Am Ende stehen vier irgendwie lieblose Schnittchen aus Schaumstoff und Kleister vor Mulliez, die von der Jury entsprechend goutiert werden: Thema verfehlt, Alice! Das also kommt heraus, wenn man Künstler in ein Fernsehformat zu pressen versucht. Dazu ein Wischtuch mit umsticktem Loch als Vagina (Stéphanie Kerckaert), eine umgedrehte Gießkanne von Sebstian Mejia und eine dadaistische Skulptur von Jérome Galvin, vor der Smulders achselzuckend gesteht, dass sie bessere Arbeiten des Franzosen kennt. Sicher gäbe es die zu sehen – wenn man die Künstler machen ließe statt sie in ein Korsett moderner Auftragskunst zu zwängen. So sehenswert das Experiment ist, Kunst und ihre Bewertung fürs arte-Publikum transparent zu machen, so fehlbesetzt wirkt das Format. Auch ohne jene Häme, wie sie andere Juroren gern über ihre Kandidaten kübeln. Die Jury der zweiten „Alles für die Kunst“-Folge stottert sich stattdessen ratlos durch das Atelier und ist sichtlich erfreut, mit Lyes Hammadouche wenigstens einen Kandidaten zu haben, der die Aufgabe bravourös meistert. Ein bisschen zittert man schon vor den nächsten Teilen und will doch wissen, weshalb drei der Künstler die Atelier-WG noch vor dem Finale verlassen. Künstler, so ein erstes Fazit, eignen sich halt nicht zur Schönheitskönigin.

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