KUNST Stücke : Bruchstellen

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Leicht kommt man mit ihnen nicht ins Gespräch, denn die „Gäste“ der Galerie sind keine Smalltalker. Einzig die unbetitelte Skulptur von Anselm Reyle lockt mit spielerischen Elementen: Reyle hat diverse Materialien, darunter eine zerbrochene PC-Tastatur und ein Stahlgeflecht, in Bronze gegossen. Alltagsdinge, die seine Arbeit wie eine Konstruktion aus Zivilisationsschrott aussehen lassen – wäre sie nicht von einem metallischen Lack überzogen, der alles Gewöhnliche nobilitiert und zugleich auf Distanz bringt. Das Ganze wirkt nun wie ein Ding aus dem All. Nicht minder fremd türmen sich die großen Plexiglas-Kuben von Gerwald Rockenschaub auf. Zwei strenge Elemente in Schwarz und Transparent, an denen das Auge abzugleiten droht. Bis es die zahlreichen Spiegelungen auf den glänzenden Oberflächen entdeckt. Und man erkennt, dass der Dialog längst begonnen hat.

Vom „Herrenzimmer“ sprechen manche Besucher, die sich zwischen den Objekten bewegen und herausfinden wollen, weshalb die Ausstellung nun eigentlich Berliner Zimmer heißt. Mit dem unglücklichen Raum, der die Flügel alter Mietshäuser miteinander verbindet und seiner Architektur wegen nur über eine unzureichende Belichtung verfügt, hat die Galerie Krobath (Marienstraße 10, bis 16. April) wenig gemein. Tatsächlich spielt die Inszenierung – der grüne Anstrich der Wände und jene vornehme Zurückhaltung, mit der sich die Objekte aller sechs Künstler im Raum platzieren – mehr auf einen Salon des 19. Jahrhunderts an, in dem man geistigen Austausch pflegte. Eine Vernetzung der Gedanken, und genau dies setzt die feine Schau von Rockenschaub und Gerold Miller fort: Als „Gastgeber“ mischen sich beide mit je einem Werk unter die übrigen Künstler und lassen die Arbeiten kommunizieren. Den „Planeten“ von Thomas Demand, eine kleine quadratische Fotoarbeit, mit einer Wandskulptur von Jiri Kovanda (12 000 Euro). Obgleich die beiden nebeneinander hängen, haben sich der tschechische Konzeptualist und Reyle mehr zu sagen: Auch Kovanda montiert seine ready mades aus Dingen, die andere ausgemustert haben, und stiftet neue Sinnzusammenhänge. Als Pionier der siebziger Jahre hebt er sich wiederum von Künstlern der jüngeren Generation ab, wie sie der 1979 geborene Andreas Golinski verkörpert: Seine schwarzen Übermalungen (4.500 Euro) finden zwar auf ausgedienten Zeitungen statt, haben jedoch eine individuelle, beinahe poetische Handschrift.

Totale Zurückhaltung übt schließlich die Galeristin. Helga Krobath hat alle kuratorische Verantwortung für eine Ausstellung abgegeben, die sich am Thema orientiert statt an der Verkäuflichkeit. Drei der Künstler sind nicht einmal in ihrem Programm. Ein echtes Reloading der Salonkultur mit sechs stillen und dennoch alles andere als stummen Gästen.

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