KUNST Stücke : Erzgebirge

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Mit der „Capri Batterie“ hat Joseph Beuys wenige Monate vor seinem Tod eine Hommage an Italien und ein Sinnbild für die Dichotomie von Natur und Technik geschaffen. Ein Exemplar des 1985 in einer 200er-Auflage entstandenen Multiples gehört nun zu den Spitzenstücken der Herbstauktion bei Irene Lehr (Sybelstraße 68, Vorbesichtigung bis 28. Oktober, tgl. 12–19 Uhr). Der Schätzpreis von 10 000 Euro für die gelb leuchtende Glühbirne, die über ein Kabel mit einer Zitrone verbunden ist, scheint durchaus realistisch: 2007 erzielte das beliebte Auflagenobjekt im Kölner Auktionshaus Lempertz mehr als das Doppelte.

Zeitgenössische Westkunst gehört ansonsten nicht gerade zum Schwerpunkt des Charlottenburger Auktionshauses Lehr, und den historischen Gegenpol bildet dann auch eine Sepiaskizze von Auguste Rodin aus den 1890er Jahren (Schätzpreis: 5000 Euro). Doch so disparat die Spanne von Künstlern, Stilen und Epochen auch ist, stets gelingt es Irene Lehr, die Vorbesichtigung zu einer ansprechenden Ausstellung zu gestalten. Ein eigener Raum ist frühen Expressionisten und in deren Folge der Malerei ostdeutscher Provenienz gewidmet. Dass diese aus der Tradition eigenständige Positionen entwickelte, zeigen Bilder wie Ernst Schroeders „Winterlandschaft“ oder Heinz Tetzners um 1970 entstandene „Große Erzgebirgslandschaft“ mit Taxen zu 5000 und 6000 Euro. Die höchsten Erwartungen der insgesamt 566 Lose wecken die Gemälde „Ausflugslokal am Großen Wannsee“ von Franz Heckendorf und Albert Eberts „Ruhende Masken II“ mit je 15 000 Euro. Heckendorfs stürmisch belebte Szenerie von 1924 fasziniert mit furiosem blau-türkisem Kolorit; die skurrilen Miniaturen des „Henri Rousseau von der Saale“ sind den Freunden der naiven Kunst vorbehalten.

Bei Hauff & Auvermann (Badensche Straße 29, Vorbesichtigung 25.–29 Oktober & 1.–2. November 11–19 Uhr, 30. Oktober 11–16 Uhr) liegt das Kerngeschäft im Bereich wertvoller Bücher, weswegen die moderne und zeitgenössische Kunst vorwiegend mit Druckgrafiken bestückt und weit weniger ambitioniert ist. Für Aufmerksamkeit dürfte – neben Namen wie Max Beckmann oder Alexander Calder – im Wilmersdorfer Auktionshaus allerdings eine Offerte aus dem Nachlass von Heinrich Ehmsen sorgen, dem bereits im Vorfeld eine Einzelausstellung gewidmet war. Neben einem beeindruckenden Porträt der Mutter des 1886 in Kiel geborenen Künstlers bilden Vorzeichnungen zur Grafik-Suite „Der Narr in Christo Emanuel Quint“ das Herzstück, mit der Ehmsen 1927 Gerhart Hauptmanns ersten Roman illustrierte. Für das museale Konvolut mit 55 Bleistiftzeichnungen, die die Geschichte des Wanderpredigers im grotesk-expressionistischen Stil spiegeln, werden 10 000 Euro erwartet. Ein Vorzugsexemplar des Mappenwerks mit den kompletten 30 Kaltnadelradierungen – die Blätter vom Künstler und das Impressum von Gerhart Hauptmann signiert – kommt mit 3300 Euro zum Aufruf.

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