KUNST Stücke : Fleck weg

Christiane Meixner

Am besten beginnt man in der Galerie Guido Baudach mit den Bilder-Ecken. Links unten beim zarten Orange oder dem braunen, pastosen Kreis. Ein Gelb gesellt sich hinzu, und man darf ruhig über die satte Harmonie dieses Dreiklangs staunen, bevor man gewahrt, dass man vor den Leinwänden von André Butzer steht. Ein Künstlers, den manche freundlich einen Berserker nennen und andere als schlimmen Farbschmierer beschimpfen. Butzer ist keines von beiden, das offenbart diese Schau von sechs unbetitelten Bildern (30 - 60 000 €). Auch wenn einem der 1973 Geborene viele Kreise, Linien und Kringel auf buntesten Flächen zumutet, durch die die Leinwand schimmert, während anderswo fingerdick Farbe aufliegt. Zerlegt man die Kompositionen in kleine Abschnitte, merkt man allerdings, dass im Detail ungeheure Schönheit wohnt. Butzer versteckt sie gut (Osram-Höfe, Oudenarder Str. 16-20, bis 13. Juni).

Wer sich dieser Provokation nicht stellen mag, weicht auf die Galerie Max Hetzler (Zimmerstraße 90/91, bis 13. Juni) aus und blickt auf fünf große Formate zarter Art. André Butzers typische Zeichensprache aus Kreisen, Bohnen, Dreiecken und sich kreuzenden Linien ist zwar auch hier präsent. Doch hat er im Hintergrund alle Farbe gedimmt: Die Leinwände sind grau und lassen den feinen, abstrakten Mustern den Vortritt. Ein schräger Gruß aus dem Motivrepertoire der fünfziger Jahre. Pollock, Ernst Wilhelm Nay, Philip Guston – sie alle haben Spuren hinterlassen. Butzers vermeintlich wilden Gesten reflektieren tatsächlich eine Malerei, die die Gesetze der Farbe studiert. Oder wie bei Guston über die Abstraktion zurück in die schrullige Welt der Dinge kehrt.

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