KUNST Stücke : Geld waschen

von

Ein romantisches Bergbild nach E. T. Compton, ungewöhnlich groß, mit rauen Graten und einer in den blauen Himmel ragenden Stahlkonstruktion, die an den nie realisierten Tatlin-Turm erinnert: Sven Drühl überlagert in seiner Malerei Historisches und Zeitgenössisches, und die Doppelung des Fremden und Eigenen mag ein Resultat seiner eigenen Doppelbegabung sein. Drühl ist Kunsttheoretiker und Künstler zugleich. Wer zwei gleichwertige Talente besitzt, hat es oft nicht leicht, ernst genommen zu werden. Die Kunst von Sven Drühl – der zunächst als Autor und Gastherausgeber des Magazins „Kunstforum“ reüssierte –, wird jedenfalls von den Kritikerkollegen mit Argusaugen verfolgt: Sie sei stereotyp, schablonenhaft oder plakativ, lauten die Urteile schon mal. Dabei hat der 1968 Geborene ursprünglich Kunst und Mathematik studiert. Für die Ausstellung „Archscape“ hat die Galerie Alexander Ochs (Besselstraße 14, bis 15. Februar) eine Auswahl aus Drühls Werken der letzten vier Jahre sowie Landschafts- und Architekturmotive locker in den großzügigen Räumen platziert. Was die Sicht auf die konzeptuellen Ideen durchaus erhellt. Man mag Drühls Malerei über Malerei verkopft oder cool-dekorativ finden, eine eindeutige Handschrift lässt der Remix aus dem Geist des Techno allemal erkennen (Preise 5400–1 4000 Euro).

Einen Kontrast zum intellektuellen Schwergewicht zeigt das „Experiment Holzschnitt“ in der Galerie Root (Carmerstraße 11, bis 3. Februar), das ganz ohne kunsthistorischen Überbau auskommt. Nein, die Serie der „Schwarzen Quadrate“ bezieht sich nicht auf Malewitschs Ikone der Moderne. Es geht um die Form und die zartweißen Linien, die ihre Dynamik entfalten, sagt Barbara Salesch. Ja, genau, die Fernsehfrau! „Richterin Barbara Salesch“ hat nach fast 2400 TV-Gerichtsshows die Robe gegen den Malerkittel eingetauscht. Zum Fernsehen, so die 1950 geborene Juristin, sei sie gekommen „wie die Jungfrau zum Kind“. Künstlerisch hingegen arbeitet sie schon seit 30 Jahren. Zunächst als Bildhauerin und seit vier Jahren als Malereistudentin an der Kunstakademie Bad Reichenhall. Während das Farbgefühl der Ölbilder ungestüm wirkt, sind die reduziert abstrakten Holzschnitte (Einzelblätter: 120–2100 Euro) durchaus ausbaufähig. Geändert hat sich auch Saleschs Zielgruppe: „Ich arbeite für Büros, um Farbe in den mausgrauen Alltag zu bringen.“

L. N. Tallur wiederum hat außer Kunst auch Museumskunde studiert. Mit seinen Zitaten zwischen traditionellem indischen Kunsthandwerk und Popkultur trifft der 1971 in Südindien geborene Künstler den Nerv der Gegenwart und verknüpft in „Montessori: Lessons in Economics“ Gesellschaftskritik auf wunderbar hintersinnige Weise mit Humor. „Sockel auf Sockel“ zum Beispiel, eine skurrile Skulptur zwischen Motor und Museumsrelikt. Lakshmi, die Göttin des Reichtums, wird im betonierten Mammon zur anmutigen „Siegessäule“. Gegen „Chromatophobie“, laut L. N. Tallur eine „abnorme und hartnäckige Geldangst“, hilft die gleichnamige interaktive Installation. Dem Granit-Buddha, auf den ein fünf Meter langer Baumstamm gestürzt ist, hat er wenig Glück gebracht. Der Besucher der Ausstellung bei Nature Morte (Weydingerstraße 6, bis 23. Februar) hingegen darf seine Wünsche mittels Münzen und Meditations-Hammer ins Holz schlagen – Erfüllung in wenigen Tagen versprochen – oder sein Geld in der Poliermaschine „Apokalypse“ zivilisieren lassen. Eine Geldwäsche der besonderen Art, zu Preisen zwischen 16 000 und 45 000 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben