KUNST Stücke : Haus und Huhn

Matthias Reichelt

Linien, Kreise, Quadrate: Grundelemente der Geometrie finden sich sogar in Gestalt von aufwendig bearbeitetem Millimeterpapier von Fiene Scharp in der Guardini Galerie (Askanischer Platz 4, bis 24. August), wo die beiden nomadisierenden Galeristinnen Christiane Bühling-Schultz und Karin Rase zu Gast sind – normalerweise wird hier keine Kunst verkauft. Im Erdgeschoss überwiegt die große Geste in Gestalt von Filip Zorzors prozesshafter Malerei und Axel Anklams Skulpturen. Anklams frei im Raum schwebende Arbeit „Glacier“ (5500 Euro), eine elegante Verbindung aus Stahl und Fiberglas in coolem, zurückhaltenden BlauWeiß, bildet einen dialogischen Kontrast mit dem zweiteiligen Gemälde „Bettlerhuhn“ (11 000 Euro) von Zorzor. Würfel und Trapeze, umrandet von grasartigen Halmen nebst unterschiedlichen Schraffuren auf schwarzem Grund, haben ihren assoziativen Ursprung in der asiatischen Küche, wo ein in Lotusblättern garendes Huhn Zorzor zu diesem Bild animierte. Das Geheimnis seiner plastischen Gemälde ist die aufwendige Grundierung aus mehrfach aufgetragener und anschließend glatt geschliffener Schlämmkreide, was die Oberfläche wie Schleiflack erscheinen lässt. Im unteren Stockwerk regiert das fein Ziselierte und Kleinteilige in den raffinierten Arbeiten von Tatjana Schülke und Fiene Scharp. Während Scharp dem Millimeterpapier mit Skalpell zu Leibe rückt und es bis auf filigrane Netze „entbeint“ (ab 820 Euro), treibt Schülke ihr lustvolles Spiel mit Strukturen mithilfe von Kappaplatten in Objektkästen und Skulpturen.

Ganz der Figuration gewidmet ist im Kunstverein Neukölln (Thomasstr. 27, bis 18. August) die von Peter Hock kuratierte Ausstellung mit Arbeiten auf Papier. Unter dem Titel Lieblingsstücke widmen sich vier Künstler ihren Objekten der Begierde. Bei Volker Darnedde sind es Papierrollen und Rasenmäher (ab 350 Euro), während es bei Dirk Geffers schon die profane Thermoskanne auf ein Blatt schafft und es Lutz Möller Staubsauger (200 Euro) angetan haben, die er in perfekter Nonchalance aufs Papier zaubert. Sonja Alhäusers zwei große Tableaus (je 6500 Euro) würdigen anmutig Korsagen und Halterungen für diverse Körperteile beim Sexspiel. Der 2007 gegründete Kunstverein, um die Vermittlung im damals noch wenig hippen Neukölln zu intensivieren, verkauft die Werke mit einer moderaten Provision von 25 Prozent.

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