KUNST Stücke : Neue Adresse

Katrin Wittneven

Mariana Castillo Deball

ist zurzeit nicht nur an der Biennale von Venedig beteiligt, sondern wird auch als Teilnehmerin der documenta 13 gehandelt, in deren Buchreihe „100 Notizen – 100 Gedanken“ ihr „Gespräch in Worten und Zeichnungen“ erschienen ist. In den neuen Räumen der Galerie Wien Lukatsch (Schöneberger Ufer 65), in die nun auch die Buchhandlung für Künstlerbücher eingezogen ist, kann man eintauchen in den Kosmos der 1975 in Mexico City geborenen DAAD-Stipendiatin (bis 4. November). Große, fragile Skulpturen hängen wie Mobiles oder Luftpflanzen von der Decke (Preise auf Anfrage). Einige dieser leuchtend farbigen Papiermaché-Objekte sind mit Motiven beklebt, die Castillo Deball auf Reisen und in Archiven entdeckt hat. Zu Fragen der Bildproduktion entspinnt sie feine Sinnzusammenhänge, in die sich auch die Zeichnungen an den Wänden fügen. Sie stammen aus dem „Borgia Codex“, eine der ältesten mexikanischen Handschriften. Der wunderbare Film „The where I am is vanishing“ erzählt aus der Perspektive des Buches, und man erfährt, wie langweilig es sein kann, im Vatikanarchiv in Vergessenheit zu geraten.

An der Grenze von Schöneberg und Kreuzberg hat die Galerie Zwinger (Mansteinstraße 5) neue Räume bezogen. Noch bis 15. Oktober ist Einrichten zu sehen, ein federleicht verknüpfter Querschnitt durch das Galerieprogramm. Neben Architekturfotografien von Heinz Emigholz (1200 Euro) und Eran Schaerfs „X“-Installation aus Elastikband, die Haupt- und Nebenraum elegant verbindet (2200 Euro), hängt eine neue Collage von Gunter Reski (6000 Euro). Wie ein Malereiwirbel vereint sie Techniken und Tempi, Texte und Bilder. Der Nerz und die Tomaten gehören zu einem Rebus, der Kopf eines Mannes zu einem Islamistenführer. Und während man darüber nachsinnt, ob Reski mit seinem Kaleidoskop die vielleicht einzig mögliche malerische Antwort auf die nicht endende Bilderflut gibt, bleibt der Blick an einer Kreidezeichnung hängen. Sie stammt von Gerhard Faulhaber und ist 20 Jahre alt. Die Strukturen und Verdichtungen sind entstanden, indem der Künstler einen vierkantigen Kreidestift über die Kante abgerollt hat, stunden- wenn nicht wochenlang. Das Blatt wirkt wie eine Mikro- und Makroaufnahme der Welt (4800 Euro). Als ironisches Aperçu hängt unter der Galeriedecke noch eine Kamera auf Leinwand in Magenta vom hauseigenen Label Susi Pop. Wer etwas sehen will, muss selbst gucken gehen. Nicht erst zum 25. Galeriejubiläum am Ende des Jahres.

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