KUNST Stücke : Raumzeichen

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Am Anfang war die Landschaft. Auf den kleinen Zeichnungen, die Andreas Grob mit Filz- und Buntstiften, zartem Aquarell oder spitzem Kugelschreiber festhält, glaubt man noch Wasser, eine Straßenkreuzung, einen See, etwas Architektonisches zu erkennen. Doch schon hier zerlegt der Berliner Künstler die Motive in unverbundene Einzelteile. Und bearbeitet jedes Element so lange malerisch, bis es zu einem abstrakten Zeichen in seinem Bilderkosmos geworden ist. In der Galerie Sherin Najjar (Am Park 4, bis 26. Januar) fügen sich die erzählerischen Bruchstücke nun auf kleinen wie großen Formaten (je 650 bzw. 7500 Euro) zu Grobs Ausstellung „Scapeland“ zusammen. Ohne Rücksicht auf perspektivische Gesetze verteilt der 1965 geborene Maler die abstrakten Formen eher sparsam über monochrome, in zartem Grün oder Blau gehaltene Flächen und lässt sie dort schweben. Unverbunden und wie nicht mehr von dieser Welt, aber mit konkreten Wurzeln, die einen enormen assoziativen Bogen spannen. Man kennt solche elaborierten Systeme von Cy Twombly oder Gerwald Rockenschaub. Jeder für sich hat eine künstlerische Sprache entwickelt, die im geschlossenen System des Bildes funktioniert, ansonsten aber absolut subjektiv ist. Ohne Verbindlichkeit, nur sich selbst und jenem Betrachter verpflichtet, der sich auf den spannenden Dialog mit der Malerei einlässt.

Bei Diana Sirianni ist diese intensive Form der Einlassung unvermeidlich. Wer die Ausstellung „Stecklingsvermehrung“ in der Galerie Figge von Rosen (Potsdamer Straße 98, bis 23. Februar) betritt, wird automatisch Teil ihrer großartigen Installation. Die junge Künstlerin, die erst in diesem Jahr ihr Studium an der Berliner Kunstakademie bei Gregor Schneider abschließen wird, beschränkt sich nicht auf die Wände: Einen Galerieraum erklärt sie komplett zur Collage und lässt darin farbiges Papier, Holzstäbe und winzige Silikonstücke tanzen. Ein dreidimensionales Chaos, in dem sich mit jedem Schritt die Perspektive verschiebt (Preis auf Anfrage). Dass die eigenwilligen Flugobjekte wie Mobiles an Fäden hängen, nimmt man erst allmählich wahr. Ähnlich lange dauert es, bis man jene zwei Zimmer wiedererkennt, die in den Wandarbeiten der Künstlerin als Abbilder auftauchen: Es ist die Galerie selbst. Diana Sirianni hat sie schon im vergangenen Sommer fotografiert und anschließend zum Ausgangspunkt ihrer Skulpturen gemacht. Wohin man nun in dieser ersten Einzelausstellung blickt, überall wird man auf jenen Ort zurückgeworfen, der einen real umgibt. Bloß dass ihn die Künstlerin mal auf zerstörerische, mal auf poetische Weise manipuliert. Da merkt man schon, wie sehr ihr Werk (noch) von Gregor Schneider durchdrungen ist. Aber auch, dass sie dessen schweres, klaustrophobisches „Haus ur“ in die Lüfte zu heben vermag.

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