KUNST Stücke : Schöner liegen

Magdalena Ulrich

Auf Tuchfühlung mit hüfthohen Quadern, Kugeln und Zylindern. Anna und Bernhard Blume haben sich in vielen ihrer Arbeiten mit vollem Körpereinsatz selbst eingebracht. Die Galerie Buchmann (Charlottenstraße 13, bis 21. Januar) zeigt in der Ausstellung „Aktionsmetaphern“ zwölf großformatige Fotoarbeiten in Schwarzweiß. Es sind die letzten gemeinsamen Werke des Düsseldorfer Künstlerpaares, bevor Bernhard Blume im September diesen Jahres mit 74 Jahren verstarb.

Auf den 2,15 Meter hohen Bildern der Serie „Trans-Skulptur“ (Preise: 24 000 bis 60 000 Euro, 5er-Auflage) erscheinen die beiden Künstler wie skurrile Fremdkörper in kühl geometrischen Räumen. Auf einer Aufnahme hat ein Sneakers tragender Dieb, alias Bernhard Blume, eine weiße Kugel erbeutet. Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, stiehlt sich der Künstler spitzbübisch davon. Neben ihm saust seine Frau vorüber, mitten im freien Fall. Sie hält mit zusammengepressten Lippen die Luft an.

Auf einer fünfteiligen Fotografie erscheint Anna Blume in ein chaotisches Ionengitter eingespannt. Ihr Kopf ersetzt eine Ionenkugel, der Körper die Verbindungsstreben. Die Komik ihrer Ausweglosigkeit wird durch ihre wahnwitzig hervortretenden Augäpfel verschärft. Als Hommage an ihren Mann hat die Künstlerin außer den Großformaten eine Serie von Bernhard Blumes schwarz-roten Papierarbeiten zusammengestellt. Eine der Fettkreide-Zeichnungen (Preis: 3200 Euro) zeigt zwei einander zugewandte Köpfe im Profil. Die Augen- und Mundhöhlen sind jeweils mit einem Stein gefüllt. In welche Richtung die Schwerkraft in diesem Fall wirkt, deutet der Titel „Sozio-Gravitation“ an. Selbstironie gehört bei Anna und Bernhard Blume zum System. Auf diese Weise halten sie Abstand zu sich selbst, aber auch zu der sie vereinnahmenden Umgebung.

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Eine jüngere Generation dagegen scheint sich ganz selbstverständlich, fast willenlos ihrer Umwelt hinzugeben. In der Galerie Wentrup sind unter dem Titel „Momentaufnahmen einer Generation“ (Tempelhofer Ufer 22, bis 30. Dezember) zu sehen, Werke von sechs Fotografen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Angela Strassheim zeigt mit ihrer Fotografie „Nude in Bus“ (Preis: 13 500 USD, 8er-Auflage) die Rückseite einer nackten Frau, auf einer Matratze in einem Campingbus liegend. Der Bus ist lichtdurchflutet und geht in der gleißend hellen Außenwelt auf, die sonderbar ortlos, fast jenseitig wirkt. Anna Gaskells Fotografie „Untitled (Turns Gravity) #3“ (Preis: 15.000 USD, 3er-Auflage) wirft einen ebenso traumartigen Blick auf eine verschneiten Lichtung: Zwei Jungen sitzen im schwarzen Sonntagsanzug auf der Erde: der eine kauernd, der zweite stützt ihn auf merkwürdige Weise mit seiner Hand.

In Mohamed Bourouissas Fotografie „La Butte“ (Preis: 6500 Euro, 10er-Auflage) thront ein Jagdhund auf einem regungslosen Mann. Wen hat hier der Hund niedergestreckt – oder aufgespürt? Die Ausstellung zeigt junge Fotografen, die ihre Generation zum Thema machen. Anders als Anna und Bernhard Blume, die noch die Lust am räumlichen Experiment verspürten, sich ausprobierten, verliert sich der Nachwuchs in der Welt. Seine Protagonisten bleiben vage, am Ende unverbindlich.

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