KUNST Stücke : Schweine in Beton

Neulich hat David Buckingham Platz gemacht. Für Tony Ward, das männliche Supermodel. Der übernahm einen Tag lang das Atelier des Künstlers in Los Angeles, um für einen Spot werbewirksam zu sägen, zu hämmern und zu schweißen. Was herauskommt, wenn Buckingham das selbst erledigt, kann man aktuell in der Galerie Kit Schulte (Winterfeldtstraße 35, bis 15. Oktober) sehen. Zum zweiten Geburtstag ihres Berliner Ablegers gönnt sich die US-Galerie eine Soloschau mit Objekten des 1958 Geborenen. Gleich am Eingang hängt eine riesige Pistole namens „Sergeant Schultz“ (9000 €), die Buckinghams Beziehung zur europäischen Kultur reflektiert. Seinen ersten deutschen Schauspieler, erzählt der Künstler, habe er in der Filmrolle eines Nazis gesehen und diese Erinnerung für die Berliner Ausstellung verarbeitet. Erfreulicherweise kommt „Sergeant Schultz“ so amerikanisch daher wie die übrigen Arbeiten – Embleme, abstrakte Bilder (ab 2500 €) und sinnfreie Wortfetzen wie „Kapow with stars“ (10 000 €), das zu den besten Exponaten der Ausstellung zählt. Es sind späte Kinder der Pop Art, die der Künstler dank der von ihm verwendeten Materialien auf ein zeitgemäßes Niveau bringt. Buckingham klaubt sein Altmetall in der Wüste zusammen, fräst es aus stehen gelassenen Karosserien, deren Oberflächen rostig und von der Sonne verblichen sind. Sie geben dem poppigen, trashigen Vokabular jene leise, fast melancholische Note, die sie tragfähig für die Gegenwart macht – als spiegle sich in den fahlen Farben auch die verblassende Übermacht USA.

Die Galerie Kit Schulte macht nicht bloß mit beim 4. Schöneberger Art Walk (www.schoenebergerartwalk.de), der am heutigen Samstag, den 24.9., von 11–17 Uhr stattfindet. Sie hat ihn auch ins Leben gerufen und Teilnehmer wie das Haus am Lützowplatz oder die Galerie cubus-m (Pohlstraße 75) akquiriert. Hier ist mit Anne Duk Hee Jordan eine Meisterschülerin von Olafur Eliasson zu sehen, in deren Rauminstallationen organische Materialien auf technische Apparate und industrielle Stoffe treffen. Artifizieller Natur sind auch die Objekte nebenan bei Gilla Lörcher (Pohlstraße 73), in deren Räumen die 1980 geborene Künstlerin Iris Musolf ihre Ergebnisse rund um das Thema „Sex crime, beasts and tenderness“ arrangiert – aus Beton gegossene und auf den ersten Blick niedliche Tiere mit einer Außenhaut aus Plastik. Erst Titel wie „Sex Pig“ oder „Storming Stella“ und ihre verräterischen Öffnungen offenbaren den tatsächlichen Zweck: Es sind Derivate jener dienstbaren Aufblaspuppen, die in Sex-Shops angeboten werden. Wem das zu abgründig ist, der besucht anschließend oder alternativ die Ausstellung Kong at Work in der Galerie Kuhn und Partner (Pohlstraße 71). Ein Gemeinschaftsprojekt, das Sandra Rauch und Jens Becker nach ihrer gemeinsamen Reise durch die USA entwickelt haben.

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