KUNST Stücke : Talentschuppen

Jens Hinrichsen streift durch Hütten und blickt in Baracken

Jens Hinrichsen

Fleißiges Häuslebauen hat in Galerien und Museen Hochkonjunktur. So ist man in Björn Dahlems „Seinhütte“ und in Grunenberg & Wartenbergs „Hütte #2" gekrochen oder hat von außen „Lucy House Tornado Shelter“ von Marjetica Potrc bestaunt (noch heute bei Nordenhake). Nun setzt der Niederländer Sunder Plug mit seinem „Playhouse“ in der Galerie Kunstagenten noch einen drauf (27 000 Euro). Die Hütte, die mit ihrem roten Spitzdach wie eine Spielplatzattraktion wirkt, soll später in einem Berliner Darkroom installiert werden. Es gibt eine Abstell-Leiste fürs Bier und unauffällig aus der Wand gesägte „Glory Holes“ (Wer nicht weiß, was das ist, sollte den Film „Irina Palm“ sehen). An sich ist die Idee nicht schlecht, auf die Tages- und die Nachtseite von Orten hinzuweisen: Der Künstler hat festgestellt, dass sich die Amsterdamer Schwulenszene nächtens auf Kinderspielplätzen tummelt. Und dennoch haben wir uns an Hütten, Häuschen und Baracken so langsam sattgesehen (Linienstraße 155, bis 28.7.).



Nacht in Siebenbürgen. Ob er Häuser, dreckige Straßenränder oder Interieurs malt: Mit seinen fünf Ölgemälden in der Galerie Wohnmaschine spielt der Rumäne Adrian Ghenie virtuos mit Grauwerten. Eine Innenszene zeigt einen Mann in der Stahlbadewanne und davor einen Fernsehapparat. Ein Wohnen auf Abruf, denn die Außenfassade ist schon abgerissen, dahinter wartet der Abgrund. Ähnlich setzt Ghenie ein graues Häuschen vor eine Karpatenschlucht. Die nächste Lawine kommt bestimmt. Für den Maler geht es dagegen steil bergauf, seit er von einem Galeristen aus Los Angeles entdeckt wurde. Und auch die Bilder seiner ersten deutschen Ausstellung sind ausverkauft (5000–12 000 Euro). Vor kurzem konnte sich der Absolvent der Akademie im rumänischen Cluj kaum die Farben kaufen, beschränkte sich auf Schwarz und nahm statt weißer Farbe Zahnpasta (Tucholskystraße 35, bis 28.7.).



Peter Dreher

malt schon lange. Da ist es für den über 70-jährigen eine leichte Übung, in wenigen Stunden ein Wasserglas hinzuzaubern. Seit 1974 malt Dreher immer dasselbe Glas. In Anlehnung an die Philosophie Edmund Husserls geht es ihm nicht um die Dinge, sondern um das Sehen an sich – und die Zeit, die verstreicht. Wenn er kalifornische Hotelinterieurs in sanften Farben dokumentiert, hält er die Räume bewusst flach: sein Blick tastet Lampen, Tapeten, Klimagebläse ab, gleitet von Detail zu Detail und vermeidet optische Tiefenwirkungen. Und die Totale, der große Überblick, erweist sich auch bei Herrmann & Wagner als Illusion. In einer kompletten

Doppelreihe wird der Privatsammler die aus 56 Teilen zusammengesetzte Arbeit „Beachcomber Shores“ ohnehin kaum hängen können, das wären über 30 Meter am Stück. Doch man könnte sich natürlich ein Haus extra für die Kunst bauen (Koppenplatz 6, bis 28.7.).

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