KUNST Stücke : Zimmerkino

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Die amorphen Formen ziehen sich in Falten zusammen, ragen an manchen Stellen wie Fühler in den Raum. Ein Pulsieren und Ruhen. „Zezao Zetung“ heißt die rote Kunststoffplastik, deren Spitzen von schwarzen Kreisen pointiert werden. Der Anklang an Mao Tse-tung ist kein Zufall. „Der war in den Siebzigern ja angesagt“, sagt Gertraude Zebe und lacht. Das Präfix allerdings ist kein Zen-Hinweis. Seit den sechziger Jahren betitelt die Bildhauerin ihre Kleinplastiken (500-15 000 Euro) mit der ersten Silbe des Nachnamens: Zebulle, Zebache oder Zemama – unvergleichliche Zezootiere. Aus den Grundformen verwandelt sie ihre Geschöpfe in eine sehr eigene Sprache: dynamisch zwischen Mensch und Tier, zwischen Land- und Wasserbewohner. Gewandelt hat sich auch die Künstlerin, und so heißt die aktuelle Ausstellung: „Meine drei Bildhauerleben“. Mit den ab 1972 entstehenden Bronzen wird der Ausdruck figurativ und wahrt doch ein spannend abstrahierendes Dazwischen. Die dritte Phase markieren seit 1995 Eisengüsse. Die Form wird strenger und die Polarität der Zewesen mit tektonischen Fertigteilen kontrastiert. Der Dreiklang scheint ein generelles Motto der Berlinerin zu sein. Seit 1979 leitet Gertraude Zebe die Bildhauergalerie (Grolmannstraße 46, bis 10. Mai), die zugleich Wohnung und Werkstatt ist.

Auch der Marburger Galerist Michael W. Schmalfuß zog vor zwei Jahren mit seiner Dependance in eine Altbauwohnung (Knesebeckstraße 96, bis 1. Juni). Während Zebe mit charmanter Fülle punktet, herrscht hier – trotz 13 unterschiedlicher Künstlerpositionen – strenge Übersichtlichkeit. Die verdankt sich nicht zuletzt dem zweifach versierten Blick von Bodo Korsig. Unter dem Ausstellungstitel „Stronger than Fear is Hope“ schafft der 1962 in Jena geborene Bildhauer und Kurator erhellende Querverweise und Blickachsen. Von seinen eigenen kleinformatigen „Gedächtnissplittern“ zu den raumgreifenden Tonplastiken „Tools of Enlightenment“ von Jochen Brandt oder den Mikrostrukturen der Malerin Chikako Kato. Oder wenn Trak Wendischs dunkel patinierte Bronzen „SheHead“ und „HeHead“ auf die konzeptuellen Farb-Licht- Räume von Shingo Francis treffen. Mit seinen klaren Horizontlinien lotet der japanisch-amerikanische Maler hintersinnig Grenzen von Innen und Außen aus und bildet einen fruchtbaren Gegensatz zu Jürgen Paas’ vom Pop inspirierter Installation „Kino“. „Hoffnung ist ja überhaupt die Motivation, weshalb wir jeden Morgen aufstehen“, sagt Korsig. In der Ausstellung geht das Prinzip Hoffnung auf jeden Fall auf (Preise: 750-30 000 Euro).

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