Kunst- und Antiquitätenmessen : Häuser aus Kork, Möbel aus Eisen

Die Kunst- und Antiquitätenmessen werden kleiner – und experimentieren mit neuen Ideen

Claudia Herstatt

Das Messekarussell hat sich lange für alte Kunst und Antiquitäten gedreht. Nicht ganz so schnell wie das der zeitgenössischen Kunst, aber es lief gut. 2009 sah dann alles anders aus. Die Händler gaben sich höchstens verhalten optimistisch. Doch nach wie vor sind Messen der ideale Ort, um auf überschaubarem Raum Vergleiche anzustellen und Preise abzuwägen. Manche Kunsthändler leisten sich keine Ausstellungsräume mehr, umso wichtiger ist ihre Präsenz auf den Drehscheiben des Handels.

Ganz so mager wie befürchtet ist es nicht gekommen. Und auf eines konnten sich die Kunsthändler auch 2009 verlassen: Wo die Qualität stimmt, gibt es Liebhaber und Käufer. Die Anstrengungen des Handels haben sich gelohnt, wenn auch zu der Marktlage angepassten Preisen. Nach dem Auftakt der Brussels Antiques and Fine Art Fair (BRAFA) im Januar startete erst zum zweiten Mal die antique & kunstmesse düsseldorf (ak Düsseldorf) mit 100 Kunsthändlern auf dem Messegelände. Eine klare Hallenstruktur und gute bis sehr gute Offerten machten den Aufenthalt für 12 300 Fach- und Privatbesucher lohnenswert. Die Verkäufe bewegten sich bei 2 000 bis 75 000 Euro, Kunstgewerbe war besonders gefragt. Dem einen oder anderen Objekt begegnete man das Jahr über allerdings dann aber auf anderen Messen wieder.

Nach wie vor an der Spitze steht die TEFAF in Maastricht. Obwohl auch dort im März die Preise nicht mehr in den Himmel wachsen, sind viele Sammler bereit, im Dreiländereck Holland, Belgien Deutschland etwas mehr zu bezahlen. Gleich am Eröffnungstag begeisterte sich etwa ein Sammler bei Bernheimer-Colnaghi für das Porträt eines jungen Mannes von Peter Paul Rubens (1610/13). Für fünf Millionen Euro leistete er sich das bis dahin unbekannte Gemälde. Das Kerngeschäft mit Altmeistern, Schmuck, Antiken und Kunsthandwerk konnte sich behaupten. Aber der in den Boomjahren gewachsene Markt der zeitgenössischen Kunst war schwächer vertreten und nur partiell erfolgreich.

Doch es wäre unfair, die Königin aller Antiquitätenmessen gegen die anderen auszuspielen. Es geht auch eine Nummer kleiner. Die Hamburger Fine Art Fair konnte sich im Herbst auf eine Reihe von TEFAF-Teilnehmern verlassen und gewann neue internationale Mitstreiter. Auch hier hatte man den Eindruck, die Messe sei nie besser gewesen und zeige in der Mischung von Antike bis Design einmal mehr Qualität.Der Londoner Altmeisterhändler William Thuillier verkaufte sieben Gemälde. Am Veranstaltungsort, dem Museum für Kunst und Gewerbe, blieben zwei „Fat Ladies“ aus der Tang Dynastie, die sich Museumsdirektorin Sabine Schulze bei der belgischen MING-K''I Gallery ausgeguckt hatte.

Im besten Sinne rund ging es bei der 54. Kunst Messe München, der Fine Art & Antiques. Wie in einer Manege im kreisrunden früheren Postpalast nicht weit vom Hauptbahnhof waren die 34 Stände arrangiert. Schon zur Eröffnung gab Peter Mühlbauer (Pocking) einen Renaissancetisch um 1590 für 285 000 Euro ab. Bei Walter Senger gingen zwei Gemälde von Alfons Walde bis in den sechsstelligen Bereich an Privatsammler. Uwe Dobler (Augsburg) kam mit seinem Crossover-Stand gut an: ein Vierersatz von Art-Deco-Eisenstühlen fand schnell einen Liebhaber. Zehnjähriges Jubiläum beging in diesem Herbst die Ars Nobilis in Berlin. Zum Geburtstag hatte man sich zu den 36 Ausstellern 16 Gäste eingeladen, die das Thema „Modelle“ aufs Feinste ergänzten. So zeigte Ariane Laue (München) ein Korkmodell des „Chateau de Digoine“ aus dem 18. Jahrhundert. Und bei Neuhaus (Würzburg) gab es ein Kuppelmodell des Doms zu Florenz.

Auch die Cologne Fine Art & Antiques überzeugte mit ihrem zweiten Auftritt. 98 Kunsthändlern bot sie einen Rahmen. Der Inder Satyendra Pakhalé hatte der Messe eine Design-Lounge eingerichtet, und in der Sonderschau „Ancient Contemporary“ konnte man alte Textilien, Teppiche und Kelims sehen. Innovative Ideen, sinnreiche Bezüge, die eine Messe als Ganzes verstehen und nicht als Abfolge von Ständen. Man muss nicht alles neu erfinden, nur ein bisschen daran drehen.

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