Kultur : KUNST & BAUEN

Bernhard Schulz

Geschichte der bildenden Kunst in

Deutschland ,

Bd. 8: Vom Expressionismus bis heute.

Prestel Verlag, München. 640 S., 600 Abb., 140 €, Subskriptionspreis 115 €.

Broschiert bei dtv, München, 80 €.

Im zweiten Band des ambitioniertesten Lexikon-Unternehmens der Gegenwart wird mit dem 20. Jahrhundert ungesichertes Terrain betreten. Der Band erzählt keine Chronologie, sondern nähert sich dem gewaltigen Thema von zwei Seiten: von der Warte ästhetischer Konzepte und der der Politik. Das trägt der enormen Ideologisierung dieses Jahrhunderts Rechnung – seitens der politischen Indienstnahme wie seitens der manifestfreudigen Künstler. Ein spannender Ansatz für ein spannendes Buch.

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Unsere Geschichte in Flugbildern.

Bd. 2, Die großen Zitadellen und Festungen. Bd.3, Heilige Stätten der Menschheit. Schirmer/Mosel Verlag, München.

jeweils 186 S., 90 Farb- und

29 Klapptafeln, 39,80 €.

Bücher, Bildbände zumal, stehen heutzutage in scharfer Konkurrenz zu den elektronischen Medien. Wie man sich etwas einfallen lassen kann, zeigt Schirmer/Mosel: „Die großen Zitadellen und Festungen“ sowie „Heilige Stätten der Menschheit“, jeweils 29 an der Zahl, kommen in dreifacher, zudem ausklappbarer Ansicht aus der Vogelschau daher. Zwei Bücher zum Blättern, mit dem roten Faden allein der weltumspannenden Bauaufgabe, sei’s der Verteidigung oder des Gebets.

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Jed Perl: New Art City. Manhattan und die Erfindung der Gegenwartskunst.

Hanser Verlag, München.

720 S., Abb., 39,80 €.

Eine romanhaft verdichtete Lektüre bietet Jed Perl, Kunstkritiker der einflussreichen Zeitschrift „New Republic“, mit seinem 700-Seiten-Opus „New Art City“. Drei Jahrzehnte überspannt seine Darstellung, die zugleich ein Kapitel der Saga New Yorks erzählt, der Hauptfigur des Buchs. Denn Perl bezieht die Arbeiten von Willem de Kooning in den Vierzigern bis zum weniger bekannten Fairfield Porter in den Siebzigern stets auf die quirlige Stadt als Kraftquell der Kunst. Beeindruckend das Material, aus dem Perl schöpfte – um den Preis eines bisweilen zu detailverliebten, langatmigen Schreibstils.

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Christian Welzbacher: Die Staats-

architektur der Weimarer Republik.

Lukas Verlag, Berlin.

330 S., 152 Abb., 48 €.

Herausragend unter den Architekturbüchern ist Welzbachers materialreiche Untersuchung. Der Titel führt ein wenig in die Irre, geht es doch fast ausschließlich um Berlin. Mit den – unausgeführten – Vorhaben für den Spreebogen weist die Weimarer Zeit voraus auf die Gegenwart, die das damalige Leitbild eines republikanischen Forums verwirklichte. Der Autor zeigt, warum die Architekturmoderne nicht zum Stil der Demokratie werden konnte: deren beständige Selbsterneuerung ließ einen konsistenten Zeitstil nicht zu, schon gar nicht für Repräsentatives. So überwog der Rückbezug auf eine entschlackte, preußisch-schinkelsche Tradition.

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