Kunst und Revolte : Berliner Akademie will über "68er" aufklären

Die Generation der "68er" soll Fluch und Segen gewesen sein. Was war sie nun wirklich und wie kam die Bewegung zustande? Die Akademie der Künste behandelt diese Fragen mit einem Programm im kommenden Jahr.

Akademie der Künste
Die Akademie der Künste in Berlin. -Foto: ddp

Berlin Die Berliner Akademie der Künste will sich im nächsten Jahr in einer Veranstaltungsreihe "Kunst und Revolte" den künstlerischen Umbrüchen der 68er Bewegung in Ost und West widmen. Dabei werde sie auch nach den anhaltenden Folgen für die gegenwärtige Kunst und Gesellschaft fragen, betonte die Akademie in ihrer Ankündigung zur diesjährigen Herbst-Mitgliederversammlung am kommenden Wochenende.

Der diesjährige Büchner-Preisträger Martin Mosebach sowie die Schauspieler Otto Sander und Ulrich Matthes gehören zu den Teilnehmern der traditionellen "Langen Nacht" der Akademie am Samstag. Zur Herbst-Mitgliederversammlung von Freitag bis Sonntag hat Akademiepräsident Klaus Staeck in beide Häuser am Pariser Platz und am Hanseatenweg eingeladen.

Die Künstler wollen diesmal unter anderem über die Bedeutung der Moderne für die Gegenwartskunst diskutieren. Am Sonntag werden zwei der wichtigsten Preise der Akademie verliehen: der Käthe-Kollwitz- Preis an die Düsseldorfer Bildhauerin Hede Bühl und der Konrad-Wolf-Preis an den Filmemacher Edgar Reitz ("Heimat"). Auf der Tagesordnung steht auch ein Bericht Staecks über die erste Hälfte seiner Amtszeit seit seiner Wahl im Frühjahr 2006 für drei Jahre. Er ziehe eine positive Halbzeitbilanz, betonte er in einer Pressemitteilung der Akademie.

Was wird aus Archivräumen am Pariser Platz?

Die Akademie habe sich "wirkungsvoll in die aktuellen kulturpolitischen Debatten eingemischt", darunter auch zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Eines der herausragenden Ereignisse in der Akademiearbeit der vergangenen Monate war die große Ausstellung über Leben und Werk des inzwischen verstorbenen Schriftstellers Walter Kempowski ("Das Echolot", "Tadellöser & Wolff"). Die Akademie hat auch sein Archiv übernommen.

Ein immer noch nicht endgültig gelöstes Problem sind die Archivräume im 2005 eröffneten Neubau am Pariser Platz, die wegen Baumängeln bisher nicht genutzt werden können. Das Beweissicherungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Das viel genutzte Archiv der Akademie mit mehr als 900 Künstlernachlässen zeigt nach Ansicht Staecks, dass die über 300 Jahre alte Künstlersozietät "zu den herausragenden Kultureinrichtungen der Berliner Republik zählt".

Renommierte Mitglieder stützen die Akademie

Die Berliner Akademie der Künste, die 2004 vom Bund übernommen wurde, hat rund 370 Mitglieder im In- und Ausland. Zu ihnen gehören unter anderem die Schriftsteller Günter Grass, Christa Wolf, Rolf Hochhuth, Imre Kertész und Walter Jens (Ehrenpräsident), die Regisseure Patrice Chéreau, Peter Zadek, Robert Wilson, Jürgen Flimm, Tom Tykwer, Andrzej Wajda und Luc Bondy, die Schauspieler Jutta Lampe, Erwin Geschonneck, Corinna Harfouch und Martin Wuttke, der Sänger Dietrich Fischer-Dieskau, der Komponist und Dirigent Pierre Boulez, der Architekt Lord Norman Foster sowie Bildende Künstler wie Rebecca Horn, Bruce Nauman und Valie Export. (mit dpa)

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