Kunst : Zittern um Munch-Bilder

Vor gut acht Monaten wurden die beiden weltberühmten Gemälde "Der Schrei" und "Madonna" von Edvard Munch aus dem Osloer Munch-Museum gestohlen. Jetzt mehren sich Gerüchte, dass die beiden unersetzbaren Kunstwerke verbrannt wurden und damit für immer verloren sind.

Oslo (29.04.2005, 13:32 Uhr) - Inzwischen läuft der Fall immer deutlicher auf eine baldige Aufklärung zu. Bei den von Behörden, Medien und nicht zuletzt den Tätern in den letzten Tagen massiv lancierten Meldungen hat dabei die Angst von Experten und Kunstliebhabern kräftig Nahrung erhalten, dass die Bilder verbrannt wurden.

Entsprechende Meldungen eines Boulevardblattes unter Berufung auf «gute Kontakte» in die Osloer Unterwelt wurden zwar von der Polizei umgehend und ungewöhnlich scharf dementiert. «Wir sind weiter sehr optimistisch», sagte Fahndungschef Iver Stensrud und qualifizierte die Zeitung «Dagbladet» ab als «Quelle, die wir nicht unbedingt für glaubwürdig halten». Kurz danach aber verkündete die Stadt Oslo als Besitzerin dieser beiden berühmtesten norwegischen Kunstschätze, man werde von den Dieben 700 Millionen Kronen (86 Millionen Euro) Schadensersatz verlangen, wenn die Bilder wegblieben. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Freitag wird die Forderung sowohl für den Fall eines dauerhaften Verschwindens als auch bei etwaigen schweren Beschädigungen geltend gemacht.

Das musste auf die Öffentlichkeit wie eine Bestätigung der schlimmsten Befürchtungen wirken. Vielleicht sollte die Mitteilung aber auch nur den Druck auf die Beteiligten an diesem spektakulären Kunstraub erhöhen. Drei Verdächtige sitzen seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft. Von ihnen konnte allerdings nach der Analyse von DNA-Spuren keiner direkt dabei gewesen sein, als die Bilder Ende August 2004 im Munch-Museum von zwei vermummten und bewaffneten Männern einfach von der Wand und aus ihren Rahmen gerissen wurden.

Die brutale Ausführung des Kunstcoups ohne jede Rücksicht auf den Zustand der ungeheuer kostbaren Bilder gehört zu den wichtigsten Bestandteilen einer hartnäckig kursierenden Theorie über das Motiv der Täter: Der Munch-Raub sollte demnach die Polizei von der Jagd auf eine Bankräuber-Bande abhalten, die zuvor in Stavanger eine Millionenbeute gemacht und auf der Flucht einen Polizisten ermordet hatte.

Die drei Festnahmen zum Kunstraub folgten denn auch, kurz nachdem die spanische Polizei in Malaga den mutmaßlichen Bankräuber-Chef David Toska (29) dingfest gemacht hatte. Die drei als Helfer bei der Munch-Aktion Verdächtigten sind gute Freunde des ein Jahr lang meistgesuchten Norwegers. Mit weiteren Festnahmen sei «schon bald» zu rechnen, erklärte die Polizei jetzt. Die Öffentlichkeit wartet aber wesentlich gespannter, ob die Behauptung in «Dagbladet» doch stimmt: Dass «Der Schrei» und «Madonna» für immer zerstört wurden, um Spuren zu verwischen. (tso)

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